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Krieg ist nicht ohne Schuld zu haben

Luftangriff in Syrien Krieg ist nicht ohne Schuld zu haben

Wieder einmal hat ein Kriegseinsatz in Syrien vermutlich viele unschuldige Menschen das Leben gekostet. Bombardiert wurden die Menschen von der Anti-IS-Koalition unter Führung der USA, und zugearbeitet haben offenbar die Bundeswehrsoldaten, die mit ihren Aufklärungsflugzeugen im türkischen Incirlik stationiert sind.

Ein Anlass, über die Opfer des Krieges zu sprechen, ist das allemal. Auch über die Probleme von Militärs, bei ihren Angriffen unschuldige Opfer zu vermeiden - angesichts perfider Taktiken der Gegner, die sich mit Zivilisten als „Schutzschilde“ vor Angriffen zu schützen versuchen.

Man kann mit Recht auch darüber streiten, ob die Kriegsführung der verschiedenen Interessenbündnisse überhaupt angemessen oder zielführend ist. Schließlich haben die seit fünf Jahren laufenden Militäreinsätze das Land einem Frieden keinen Schritt näher gebracht. Ganz im Gegenteil.

Ziemlich billig ist es allerdings, angesichts des jüngsten Vorfalls in Wahlkampfgeschrei zu verfallen. Die Tatsache, dass Deutschland meist nicht direkt an Kampfhandlungen teilnimmt, hat zu keiner Zeit bedeutet, dass die Bundeswehr und ihre Auftraggeber im Bundestag für Misserfolge oder gar Kriegsverbrechen nicht in der Verantwortung stünden.

Eine Parlamentsmehrheit erlaubt der Regierung mal die logistische Unterstützung von Natopartnern oder, wie hier, die Aufklärungsflüge, um potenzielle Angriffsziele auszuspähen. Von US-Militärbasen wie Ramstein werden mutmaßlich sogar - von Deutschland aus - „Terroristen“ per Kampfdrohnen getötet, und zwar unter Inkaufnahme von menschlichen „Kollateralschäden“ und ohne, dass vorher rechtsstaatliche Prinzipien bemüht worden wären. Natürlich werden auch die Bundeswehrsoldaten, und wir mit ihnen, schuldig in den Einsätzen, in die wir sie schicken.

Der Ansatz „Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass“ funktioniert ohnehin selten. Im Krieg aber schon mal gar nicht - auch wenn man auf diese Weise so gern das eigene Gewissen beruhigen würde.

von Michael Agricola

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