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Baltimore

Kollektiver Hass bricht sich Bahn

Was sich in Ferguson noch als eher diffuse Gemengelage zeigte, tritt in Baltimore unverblümt zu Tage: Das Problem weißer Polizeigewalt in den USA dient immer dort, wo es berechtigten Anlass zu Protesten gibt, als Katalysator für Unruhen, deren Ursachen sehr viel allgemeinerer Natur sind.

Es geht, verkürzt formuliert, um den kollektiven Hass sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen auf eine Regierung, die es offenbar nicht verhindern kann, dass Männer wie Freddie Gray im Polizeigewahrsam sterben.

Es ist wenig überraschend, dass sich gerade in Städten wie Baltimore dieser kollektive Hass so geballt Bahn bricht, dass nur der Aufmarsch der Nationalgarde Plünderern und Schlägertrupps ihre Grenzen aufzuzeigen vermag. Die Kriminalität blüht in den Ghettos von Baltimore - ein Teufelskreis, in dem all jene gefangen sind, die längst die Hoffnung auf einen Job, auf soziale Absicherung aufgegeben haben. Und das ist es letztlich, was sich auch die Obama-Administration ankreiden lassen muss: Vom Idealbild eines wirklich funktionierenden Sozialstaats sind die USA im Jahr 2015 noch immer meilenweit entfernt. Außer mehr oder weniger ambitioniertem Flickwerk hat Washington selbst in den beiden Amtszeiten des ersten schwarzamerikanischen Präsidenten nicht viel zustande gebracht. Die Strukturen innerhalb des Polizeiapparats so zu reformieren, dass brutale Übergriffe einzelner Beamter irgendwann einmal der traurigen Vergangenheit angehören, dürfte eher eine Frage politischen Willens sein als eine Frage der Machbarkeit. Die sozialen Schieflagen in den Vereinigten Staaten von Amerika spürbar zu korrigieren, ist im Vergleich dazu eine Jahrhundertaufgabe. Im bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf werden die Amerikaner genau hinhören - zumindest jene, die noch nicht für sich zu der fatalistischen Erkenntnis gelangt sind, dass die politische Realität in Washington vornehmlich aus leeren Versprechungen und vagen Unverbindlichkeiten besteht.

von Carsten Beckmann


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