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Keine Angst vor Alexis Tsipras

Griechenland Keine Angst vor Alexis Tsipras

Das vor allem im Ausland befürchtete Chaos nach der Wahl in Griechenland ist ausgeblieben. Das Linksbündnis Syriza um Alexis Tsipras, das nur knapp die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen verfehlte, hat schon einen Tag nach der Wahl eine Regierung gebildet.

Das Tempo ist beachtlich. Der Wahlsieger will gemeinsam mit „Anel“, den „Unabhänigen Griechen“, das Mittelmeerland führen. Ultra-Links mit Ultra-Rechts? Natürlich ist das keine Liebesheirat, sondern ein Zweckbündnis. Es ist aber durch eine demokratische Wahl zustande gekommen. Auch das darf in diesen aufgeregten Zeiten nicht außer Acht gelassen werden. Die beiden Koalitionäre verbindet inhaltlich viel mehr als auf den ersten Blick sichtbar ist: ihre Ablehnung gegenüber den bisherigen Reformabkommen und ihre Totalopposition zu den einstigen Volksparteien.

Viele Griechen sehen in dem Anel-Chef Panos Kammenos übrigens keinen Rechtspopulisten. Denn vor einigen Jahren noch gehörte er der konservativen Volkspartei Nea Dimokratia an. Die Hellenen setzen große Hoffnungen in das ungleiche Duo. Alexis Tsipras wird aber weder Wunder bewirken können, noch einen Sturm über Europa und den Banken auslösen. Weitere Belehrungen und Drohkulissen aus Berlin und Brüssel sind daher unnötig.

Tsipras wird - und dafür haben ihn die Griechen gewählt - mit Geldgebern neu verhandeln und den Sparzwang für die Menschen erträglicher machen müssen. Denn die bisherigen Reformen - die eigentlich nur Budgetkürzungen waren - haben das Land kaputtgespart. Die neue Regierung, sollte sie überhaupt standhalten, muss das Tempo nun beibehalten und Reformen ohne Neuverschuldung in Gang setzen. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn auch die anderen Europäer mitspielen, zum Beispiel bei den finanziellen Arrangements helfen. Wer an Europa politisch festhält, müsste konsequenterweise Griechenland eine erneute und schmerzhafte Umschuldung bewilligen. Denn von alleine kommt Griechenland nicht auf die Beine - egal, ob der Regierungschef ein Populist oder Technokrat ist.

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