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Kein wirklicher Befreiungsschlag

ADAC Kein wirklicher Befreiungsschlag

Als die Affäre um den ADAC vor drei Wochen ausbrach, wollte sich der Präsident des größten deutschen Autofahrerclubs noch an die Spitze der schonungslosen Aufklärung stellen.

Gestern hat der gar nicht mehr so mächtige Peter Meyer seinen Rücktritt erklärt. Aber auch dies ist kein wirklicher Befreiungsschlag für den in die Schlagzeilen geratenen Millionen-Club. Im Gegenteil. Die Umstände, unter denen Meyer das Präsidentenamt den anderen ADAC-Granden in München gewissermaßen vor die Füße wirft, um nicht seines Amtes enthoben zu werden, offenbaren, wie tief der Club ins Chaos abgedriftet ist.

Schon lange hat sich Meyer, der zudem noch allen Ernstes Chef des Regionalclubs Nordrhein bleiben will, von der übrigen, selbstherrlichen ADAC-Spitze in München entfremdet. Per Amtsenthebungsverfahren sollte Meyer nun die politische Verantwortung für all die Schiebereien, die jetzt ans Tageslicht kommen, in die Schuhe geschoben werden. Den alleinigen Sündenbock wollte Meyer jedoch offenbar nicht geben. Vielleicht hatte der Ex-Präsident anfangs noch die Hoffnung, den über 100 Jahre alten Traditionsclub wirklich von Grund auf erneuern zu können. Doch das ist offenbar mit dem alten Führungspersonal unmöglich.

Der ADAC, der wegen seiner aufopferungsvollen Pannenhelfer höchstes Ansehen genoss, steht auch nach der gestrigen Demission seines Präsidenten vor einem Trümmerhaufen. Unter dem Siegel der Gemeinnützigkeit eines eingetragenen Vereins wucherte ein Wirtschaftsunternehmen, das Kfz-Versicherungen, Rechtsschutz, Urlaubsreisen, Mietwagen und wer weiß was noch alles verkauft. Zudem wucherte der Filz zwischen Club und Autoindustrie. Dass die großen Autokonzerne nun großspurig ADAC-Auszeichnungen zurückgeben, ist ein Hohn. Die Autobosse hatten sich zuvor im Glanz der „Gelben Engel“ gesonnt und teure Werbeanzeigen im ADAC-Magazin schalten lassen.

Um eine grundlegende Strukturreform mit der Abspaltung der wirtschaftlichen Aktivitäten kommt der Club nicht herum. Das Austauschen von ein paar Köpfen reicht keinesfalls aus. Es geht um das Vertrauen in eine Institution und um die Mitarbeiter und Mitglieder, die mit den Schummeleien und krummen Geschäften der ADAC-Spitze nichts zu tun haben.

von Reinhard Zweigler

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