Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Kein guter Ratgeber

SPD Kein guter Ratgeber

In Sachen Wahlkampf könnte die SPD von der Union noch viel lernen. Die Schwestern CDU und CSU verhalten sich, wie es in vielen Familien üblich ist: Sie zanken sich heftig, aber wenn ein gemeinsamer Gegner auftaucht, passt kein Blatt Papier mehr zwischen sie.

CSU-Chef Horst Seehofer hat Kanzlerin Angela Merkel noch vor Monaten massiv unter Druck gesetzt und öffentlich gedemütigt - nun machen sie im Bierzelt gemeinsam Wahlkampf. „Es läuft sehr gut“, sagt Seehofer über sein scheinbar harmonisches Verhältnis zur CDU-Chefin.

Ganz anders die SPD: Sie schafft es in fast jedem Wahlkampf, sich selbst zu zerfleischen. Erst wurde Martin Schulz wie ein Messias gefeiert - das nährte Erwartungen, die kein Normalsterblicher erfüllen kann. Dann begannen die Genossen, ihm Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Hannelore Kraft, Noch-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, gab nach der verlorenen Landtagswahl zu: Sie habe Schulz gebeten, sich aus dem Wahlkampf in seinem Heimatland herauszuhalten. Krafts Geständnis nützte Schulz nichts: In der öffentlichen Wahrnehmung ist er mitverantwortlich für drei Landtagswahl-Niederlagen. Und jetzt teilt noch Peer Steinbrück Ratschläge aus.

Steinbrück tut, als wüsste er, was Schulz besser machen kann. Zu viel soziale Gerechtigkeit, behauptet er, zu viel Rot-Rot-Grün. Dabei war Steinbrück selbst einer der schlechtesten Kanzlerkandidaten, die die Sozialdemokraten je hatten - was auch eine Leistung ist. Steinbrück hat weder den Draht zu den Wählern gefunden noch politische Visionen entwickelt. In Erinnerung bleiben aus seinem missglückten Wahlkampf ein scherzhaft gemeinter Stinkefinger, Spitznamen wie „Pannen-Peer“ und die Debatte über die hohen Vortragshonorare des Kandidaten. Vielleicht geht es ihm auch bei seiner Schulz-Kritik ums Honorar, schließlich begibt er sich bald auf Bühnentour.

Die SPD sollte besser nicht auf den Rat eines Mannes mit derartigen Leistungen hören. Sie muss über den richtigen Weg diskutieren und sollte Martin Schulz nicht vergöttern - das verlangt Angela Merkel von der Union auch nicht. Es genügt, wenn die Genossen zu ihrem Kandidaten stehen. Dann kann Schulz es zumindest noch besser machen als Steinbrück.

von Stefan Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar