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In der Abgaswolke

CO2-Skandal In der Abgaswolke

Nach den Diesel-Manipulationen kommt der Skandal um die Spritverbrauchswerte und den CO2-Ausstoß, der weit über ein erträgliches Maß hinausgeht. Die Autohersteller haben offensichtlich wenig Skrupel, wenn es darum geht, ihre Fahrzeuge mit Etiketten grüner zu machen, als sie sind.

Überraschend? Nein. Wird es einen Aufschrei geben wegen des Betrugs an den Kunden, an der Umwelt und somit an allen atmenden Wesen?

Eher nicht. Denn zum Betrügen gehören immer zwei - der Betrüger und der, der sich betrügen lässt. Und wohl von keinem anderen lassen sich Kunden mit solcher Gleichgültigkeit über den Tisch ziehen wie von der Autoindustrie.

Seien wir ehrlich: Vielleicht ist es für Laien nicht möglich, den wahren Schadstoffausstoß von Autos zu kontrollieren. Doch dass alle Autos deutlich mehr Kraftstoff verbrauchen, als in den Hochglanzprospekten steht, weiß jeder. Wer die Grundrechenarten beherrscht, kann auch leicht überschlagen, was das pro Tankfüllung und aufs Jahr gerechnet ausmacht. Aber solange die Spritpreise nicht ins Unermessliche steigen, interessiert es uns Autofahrer doch nicht wirklich - Umweltverschmutzung hin oder her.

Das Verbraucherverhalten ist nicht anders als bei vielen Kaufentscheidungen: Der Anbieter gibt die Regeln vor, der Kunde akzeptiert, mehr oder minder mit Zähneknirschen, weil sonst der Vertrag nicht zustande kommt. Dass der Kraftstoffverbrauch auf der Straße mit den Modellwerten nichts zu tun hat, schluckt man genauso, wie man ständig ungelesen irgendwelche Allgemeinen Geschäftsbedingungen abnickt, weil man sonst die Gegenleistung nicht bekommt. Bei Autos zählen noch immer der äußere Glanz, Marke, Preis und der Zweck viel mehr als der geringste Verbrauch. Daran wird der einzelne Kunde nicht viel ändern. Wer flächendeckend etwas bewirken will, muss über die Politik entsprechende (finanzielle) Anreize setzen, etwa wie bei der Förderung von Photovoltaikanlagen. Aber nur, wenn die vorgegebenen Standards dann auch kontrolliert und Verstöße sanktioniert werden.

Dass die Konzerne mit den Emissionen von Autos lange ungestraft Schindluder treiben konnten, liegt hierzulande vor allem an dem vollständigen Staatsversagen, was die Kontrolle der Autoindustrie angeht. Anders als in den USA wird hier offensichtlich nicht auf Herz und Nieren geprüft und Fehlverhalten nicht empfindlich genug bestraft. Die ungesunde Nähe der Politik und des Kraftfahrtbundesamts zur Autolobby ist inzwischen nachgewiesen. Solange sich daran nichts ändert, werden auch die Tricksereien nicht enden. Und alle Bürger, nicht nur die Autofahrer, werden auch künftig buchstäblich von Abgaswolken eingenebelt.

von Michael Agricola

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