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Hoffen auf das Wunder von Athen

Griechenland Hoffen auf das Wunder von Athen

An diesem Wochenende soll es sich also entscheiden, wieder einmal, wie an so manchem allerletzten Griechenland-Krisen-Gipfel zuvor auch schon.

Wie das Wunder der Hellas-Rettung geschehen soll, ist freilich völlig unklar, dagegen sprechen zu viele Gründe.

Da sind zum einen die Griechen selbst, die am vergangenen Wochenende mit klarer Mehrheit beschlossen haben, die Forderungen der Geldgeber, die Voraussetzung für weitere finanzielle Hilfen sind, abzulehnen.

Dazu kommt die Koalition aus Kommunisten und rechten Nationalisten, auf die Regierungschef Alexis Tsipras seine Macht stützt. Nicht unerhebliche Teile des linken Lagers scheinen gar kein Interesse an einer Einigung mit der Eurogruppe und dem IWF zu haben, sie träumen lieber von einem sozialistischen Staat der Marke Kuba. Und dafür kann es den armen Leuten gar nicht schlecht genug gehen.

Auf der anderen Seite hat der schier endlose Verhandlungsmarathon mit seinen stets wiederkehrenden Enttäuschungen den Frust in jenen Parlamenten immer größer werden lassen, die möglichen Hilfen noch zustimmen müssen. Insbesondere im Norden, aber auch im Osten der EU ist der Ärger über die scheinbar reformunwilligen Griechen so groß, dass Athen schon besonders weitgehende Zugeständnisse machen müsste, um die inzwischen offen ablehnende Haltung noch zu verändern.

Auch wenn Alexis Tsipras und mehr noch sein ehemaliger Finanzminister Gianis Varoufakis nicht für die Ursachen der Griechenland-Krise verantwortlich zu machen sind - beide haben in den vergangenen Monaten zu viel Porzellan zerschlagen, um noch als gerngesehene Gäste einer europäischen Familienfeier gelten zu dürfen.

Die psychologischen Hemmnisse sind inzwischen ähnlich groß wie die tatsächlichen Hindernisse. Immerhin hat der Internationale Währungsfonds inzwischen eingesehen, dass Griechenlands Wirtschaft und der marode Staatshaushalt ohne weitere Hilfen nicht zu retten sein werden.

Die Europäische Zentralbank, die in den vergangenen Jahren und Monaten schon gute Geschäfte mit der Finanznot Athens gemacht hat, wird sich früher oder später mit der Einsicht anfreunden müssen, dass ein Teil der Schulden Griechenlands abgeschrieben werden muss, wenn man nicht einen Totalausfall riskieren will.

Wenn Griechenlands Regierung und die Geldgeber noch auf einen Nenner kommen wollen, müssen beide Seiten Zugeständnisse machen. Ob die Bereitschaft dazu in Brüssel, Berlin, Helsinki und am Ende auch in Athen vorhanden ist, bleibt zweifelhaft. Am Ende könnte die Angst vor dem Unkalkulierbaren doch noch zu einer Einigung führen.

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