Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Happy Birthday und Coffee to go

Anglizismen Happy Birthday und Coffee to go

Gestern war wieder einer jener Feiertage für Deutschlands selbsternannte Fremdwort-Polizisten. Zum x-ten Mal hatten Meinungsforscher die Bundesbürger gefragt, was sie von der Verwendung von Begriffen halten, die aus anderen Sprachen entlehnt sind.

Und zum x-ten Mal antwortete eine Mehrheit: Finden wir nicht gut, diese ganzen Anglizismen, geht doch auch ohne. Und ebenfalls zum x-ten Mal ergab die aktuelle Um­frage, dass die Mehrheit der entschiedenen Reindeutsch-Befürworter mit steigendem Lebensalter der Befragten zunimmt.

Die Frage nach Sinn und Unsinn der Verwendung von Fremdwörtern im täglichen Sprachgebrauch zu stellen, mag legitim - sorry, äh: Entschuldigung - berechtigt sein. Allein: Die Debatte über die Frage, wie wir etwas sagen, verklärt leider den Blick dafür, was gesagt wird. Beispiel gefällig? „Jeder Gesetzestreue sollte in der Lage sein, sich selbst, seine Familie und seine Freunde zu schützen.“ Bravo, ein kompletter Satz, völlig ohne Anglizismen! Dass AfD-Chefin Frauke Petry mit dieser Äußerung am Wochenende unverhohlen Werbung für eine Aufweichung des Waffenrechts in Deutschland machte - wen stört’s? Die gleiche Frauke Petry verriet der „Bild“ auch, dass sie es für bedenklich hält, wenn auf Kindergeburtstagen „Happy Birthday“ gesungen wird. Genau, warum nicht „Zum Geburtstag viel Glück …“, werden ihr die vielen Sprachretter von eigenen Gnaden beipflichten und die Rechtsaußen-Politikerin dem Verein Deutsche Sprache am Ende gar noch als Ehrenvorsitzende vorschlagen.

Kaum jemand wird behaupten wollen, dass der „Coffee to go“ besser schmeckt als ein Kaffee zum Mitnehmen. Niemand wird ernsthaft glauben, dass es beim „Sale“ günstigere Schnäppchen gäbe als im Schlussverkauf. Jedoch ist es müßig, diese Debatte zu führen, denn die Welt wird nicht dadurch besser, dass jeder Sprachraum sich gegen den anderen abschottet. Die Welt wird vielleicht ein bisschen besser, wenn möglichst viele Menschen den Inhalt alles Gesagten darauf überprüfen, ob er von Vernunft geprägt ist. Kluge und richtige Aussagen werden durch die Verwendung von Anglizismen nicht dumm und falsch. Und dumme und falsche Behauptungen werden durch die Vermeidung von Anglizismen nicht klug und richtig. Okay?

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar