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Gute Nachricht für gute Menschen

Unwort des Jahres Gute Nachricht für gute Menschen

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut; denn das allein

unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen!

An das geflügelte Wort Johann Wolfgang von Goethes werden nicht wenige gedacht haben, als gestern feststand: Der „Gutmensch“ hat es im zweiten Anlauf zum „Unwort des Jahres“ gebracht. Es ist dies eine gute Nachricht für all jene, die im besten Sinne des Begriffs Gutmenschen sind: All jene, die sich ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Reflexartig dachte ganz Deutschland aus gegebenem Anlass an die vielen Menschen, die in diesen Tagen, Wochen und Monaten mithelfen, den vor Krieg und Elend geflüchteten Männern, Frauen und Kindern zumindest vorübergehend eine menschenwürdige Existenz zu ermöglichen. Für diese Freiwilligen kommt es einem verspäteten Ritterschlag gleich, dass eben jene Vokabel, mit der Engagement und Hilfsbereitschaft diffamiert wurden, jetzt als Unwort entlarvt ist.

Und vielleicht geht mit der Entscheidung der Darmstädter Jury ja auch endlich die Erkenntnis einher, dass sich ehrenamtliches Engagement und eine gleichzeitig kritische Haltung in der Flüchtlingskrise nicht ausschließen müssen. Denn aller Häme zum Trotz sind Gutmenschen keine der Sozialduselei verfallenen Vereinfacher. Im Gegenteil: Wer während seines ehrenamtlichen Einsatzes mit aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea geflüchteten Menschen spricht und sich ihre Geschichten anhört, läuft zumindest kaum Gefahr, all diese Menschen unter den Generalverdacht zu stellen, es handele sich bei ihnen um ein marodierendes Heer islamistischer Vergewaltiger. Und wer sich zudem den subtilen Spitzen und plumpen Anfeindungen angeblich besorgter Mitbürger entgegenstellt, wenn er die Motive seines Handelns zu erklären versucht, wer seine Freizeit lieber mit einer Schöpfkelle in der Hand an der Essensausgabe in einer Erstaufnahme-Einrichtung verbringt, als es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen, der ist ein Gutmensch. Einer im besten Sinne - wie im Übrigen auch die Legionen Ehrenamtlicher, die sich von jeher in Vereinen, Kirchengemeinden oder Sozialinitiativen in den Dienst der Allgemeinheit stellen.

von Carsten Beckmann

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