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Gut und gerecht

Hoeneß-Urteil Gut und gerecht

Hart, fair, gerecht - so zeigt sich der Rechtsstaat im Fall Hoeneß. Ein erstinstanzliches Urteil von dreieinhalb Jahren signalisiert, dass der große Steuerhinterzieher nicht davonkommen sollte, egal ob er ein guter Mensch oder ein mieser Schubiak ist.

Die angekündigte Revision ist aber auch Teil der Rechtsstaatlichkeit. Eine gerichtliche Kehrtwende wäre jedoch, nach diesem Urteil, nach dieser dokumentierten fehlerhaften Selbstanzeige, angesichts der in Rede stehenden hinterzogenen Summen eine kaum erträgliche Belastung.

Dieses Verfahren hat gezeigt, dass das Instrument der Selbstanzeige ein noch immer taugliches Mittel ist, um Bürger dazu zu bringen, nach Recht und Gesetz beurteilt zu werden. Und das heißt in diesem Fall: Steuern werden fällig, jeweils auf Basis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Deshalb war die Hoeneß-Verteidigung unfair. Man kann eben nicht Betrug am Staat verrechnen wollen mit einer Fülle guter Taten.

Blamiert und brüskiert müssen sich nun endgültig die Bosse der großen Sponsor-Konzerne des FC Bayern fühlen. Adidas, VW, Telekom und Co. haben fluchtartig - aber eben um Monate zu spät - nach der gestrigen Urteilsverkündung den Schweigepakt mit dem Fußball-Manager Hoeneß verlassen. Das ist ein Skandal. Sie haben dem Prinzip des sauberen kaufmännischen Handelns schwer geschadet, nur um zeitweilig noch einen falschen Kameradschaftsbund mit dem Bayern-Boss aufrecht zu erhalten.

Dass Uli Hoeneß kämpft und trickst, ist aus seiner Sicht verständlich, wenngleich es für die Allgemeinheit der braven Steuerzahler unerträglich ist, weil sie, anders als Herr Hoeneß, auf den funktionierenden Staat angewiesen sind. Die faktische Teilkomplizenschaft der Konzerne im Aufsichtsrat des Fußball-Weltclubs ist weder verständlich noch akzeptabel und sie erfordert eigentlich die rote Karte für die Herren aus der Champagner-Loge. Wer will, der darf jetzt darüber spotten, dass nur die unterschiedliche Größe des Strafraums die Allianz-Arena vom Münchner Knast in Stadelheim unterscheidet. Aber es sollten manche noch einmal auch darüber nachdenken, wie man sich steuerehrlich macht. Denn wann, wenn nicht jetzt erst recht, sollte der Staat weitere Steuer-CDs aufkaufen? So wurde Uli Hoeneß nervös - und er kam wegen groben Foulspiels nicht durch. Das macht Mut.

von Dieter Wonka

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