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Gut gemeinter Denkanstoß

Radfahrer Gut gemeinter Denkanstoß

Immer die Radfahrer - lautet der Titel einer harmlos-albernen Filmkomödie mit Heinz Erhardt aus den 50er-Jahren.

Bezeichnenderweise spielt die Ikone der deutschen Nachkriegsklamotte darin einen Likörfabrikanten, der mit seinen Freunden hin und wieder auch angeheitert durch die Gegend strampelt. Im Vergleich zur heutigen Verkehrsdichte waren die 50er pure Idylle. Das Stahlross als Transportgefährt nach ausgiebigem Kneipenbesuch oder einer Party ist dagegen auch heute weit verbreitete Realität. Fahrradfahren liegt im Trend. Feiern auch.

Was alkoholisierte Radler gerne verdrängen: Schon nach geltender Gesetzeslage riskiert seinen Führerschein, wer im wahrsten Sinne sturztrunken in die Pedale tritt. Nur liegt eben die Promillegrenze höher als im Fall einer Autofahrt mit zu viel Sprit im Blut. Prinzipiell ist schwer einzusehen, warum das so ist. 1,6 Promille als Grenze der Fahrtüchtigkeit sind in jedem Fall zu viel, wie die Radfahrer-Lobby freimütig einräumt.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Fast 4000 Biker verunglückten 2011 nach Alkoholkonsum - wobei die Polizei naturgemäß nur schwere Unfälle erfasst. Die Dunkelziffer ist hoch. Deutlich mehr betrunkene Rad- als Autofahrer sind in Unfälle verwickelt. Zum Teil haben sie Karambolagen mit schweren Folgen ausgelöst. Wer besoffen radelt, bringt nicht zuletzt Dritte in Gefahr, selbst wenn das Rad als „harmlosere“ Alternative gilt.

Das alles zeigt: Alkohol am Lenker ist ein Ernst zu nehmendes Problem. Deshalb ist es richtig, wenn die Innenminister das Thema aufgreifen. Allerdings kann man von einer Angleichung der Grenzen wohl allenfalls eine abschreckende oder pädagogische Wirkung erwarten, wenn auch kontrolliert wird. Doch schon heute ist die Polizei weitgehend überfordert im Kampf gegen Rowdies auf zwei oder vier Rädern. Und der Bundesverkehrsminister steht weiter auf der Bremse. Deshalb wird es wohl bei einem gut gemeinten Denkanstoß bleiben.

von Frank Lindscheid

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