Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Große Koalition könnte doch gehen

Sondierungsgespräch Große Koalition könnte doch gehen

Über drei Stunden haben Union und SPD, die sich bis vor zwei Wochen noch spinnefeind waren, gestern miteinander geredet. Natürlich sind die Gräben zwischen beiden Seiten noch tief.

Die einen etwa wollen partout an der Steuerschraube drehen, zumindest für die oberen Einkommensklassen und Vermögenden, die andren wollen genau dies verhindern. Da stehen sich immer noch Feuer und Wasser unvereinbar gegenüber.

Doch mit dem gestrigen Treffen wurde trotz aller Unterschiede zumindest ein hoffnungsvolles Signal gesetzt: Es könnte doch etwas gehen. Schwarz-Rot ist nicht mehr ganz so aussichtslos, wie manche noch vor dem Sondierungstreffen meinten. Freilich wird es in der nächsten Runde darauf ankommen, ob auch wirklich gemeinsame Wege gefunden, zumindest skizziert werden können, auf denen Deutschland vier Jahre lang stabil regiert werden kann.

Einfach wird das nicht und es dürfte mit Zumutungen und Krötenschlucken verbunden sein. Für beide Seiten. Die SPD hat sich noch immer aus „Staatsräson“ in die Pflicht nehmen lassen. Und die Union, Angela Merkel zumal, sollte wissen, dass sie auch dem kleinen Koalitionspartner Erfolge gönnen muss. Vor allem weil das Trauma der großen Koalition von 2005 bis 2009 der SPD noch in den Knochen steckt.

Doch nun geht es nicht um Parteitaktik und das Wohlfühlen einer Partei, sondern um viel größere Beträge. Ein völliges Verweigern oder das Heraufbeschwören von Neuwahlen würden die SPD noch viel mehr beschädigen. Und es gibt auch die Erfahrung der großen Koalition von 1966 bis 1969, aus der der charismatische Willy Brandt als Wahlsieger und Bundeskanzler hervorging. Auch daran sollten Gabriel und Co. denken.

von Reinhard Zweigler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar