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Gipfel ohne wichtige Impulse

Jugendarbeitslosigkeit Gipfel ohne wichtige Impulse

5,5 Millionen arbeitslose Jugendliche sind zu viel. Nicht ohne Grund warnen Politiker vor einer „verlorenen Generation“ in Europa und für den europäischen Gedanken.

Wenn diese existenzielle Not nicht einmal von einer der reichsten Regionen der Welt gelöst werden kann, muss über andere hehre Ziele nicht nachgedacht werden. Große Ideen, kühne Visionen von Europa verfangen dann nicht.

Es hat Charme, dass 17 europäische Regierungschefs im Kanzleramt zusammenkommen, um nach dem besten Weg zu suchen, die Jugend Europas wieder in Lohn und Brot zu bringen. Aber von diesem Gipfel werden keine entscheidenden Impulse ausgehen. Zu unterschiedlich sind die Auffassungen in den europäischen Staaten, wie gute Arbeitsmarktpolitik aussehen sollte. Zumal gerade von Deutschland die wenigsten in diesen Zeiten Ratschläge hören wollen.

Unser duales Ausbildungssystem ist zwar ein entscheidender Vorteil. Dafür sind aber wirtschaftlich gut aufgestellte Mittelständler und Handwerksbetriebe unerlässlich. Genau daran mangelt es in den Krisenländern Spanien und Griechenland. Wie werden deren Einwohner es wohl empfinden, wenn jetzt Wirtschaftsminister Philipp Rösler die spanische und griechische Jugend zur Ausbildung nach Deutschland lockt? Dass Griechenlands beste Abiturientin an einer deutschen Universität studieren will, war dort in den vergangenen Tagen ohnehin ein Politikum.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist aber im Kern nur zu lösen, wenn es den Patienten Griechenland und Spanien, Irland, Portugal und Zypern wieder besser geht. Hier muss tief in die Strukturen eingegriffen werden, um die Volkswirtschaften voranzubringen. In dieser Frage der Schuldenkrise hat die Bundesregierung bisher Zeit verstreichen lassen, weil sie vor allem auf Haushaltskonsolidierungen setzt. Wie ein Gipfel gegen Jugendarbeitslosigkeit da nun weiterhelfen soll, bleibt ihr Geheimnis.

von Kai Kollenberg

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