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Gewagtes Spiel

AfD Gewagtes Spiel

Das Ringen um die Spitzenpositionen in der sogenannten "Alternative für Deutschland" für die Bundestagswahl hat ohne Zweifel das Zeug zu einer vielteiligen Seifenoper.

Nun hat Frauke Petry, einst selbst Siegerin im Machtkampf gegen Parteigründer Bernd Lucke, ein neues Kapitel in der noch jungen Geschichte der Partei aufgeschlagen.

Der per Videobotschaft - an den Parteigremien vorbei - angekündigte Verzicht auf die Spitzenkandidatur, die ihr ja ohnehin von einem einflussreichen Teil der AfD-Größen streitig gemacht wird, kann viele Gründe haben. Und Petry selbst lässt durch ihr Statement zu, dass darüber spekuliert wird. Ist es der anhaltende Widerstand aus dem rechtsnationalen Flügel um Höcke, Poggenburg und Gauland, der sie zum Einlenken bringt? Hat sie den Machtkampf verloren, dessen bisheriger Höhepunkt der Versuch war, Björn Höcke aus der Partei zu werfen? Ist es die vor einigen Tagen bereits einmal angedeutete Erkenntnis, dass es auch ein Leben außerhalb der Politik gibt? Oder doch der Versuch, das eigene Lager hinter sich zu versammeln? So leicht lässt sich das von außen heute noch nicht bewerten.

Sollte Petrys Beweggrund wirklich der sein, durch die einseitige Entschärfung der Personaldebatte Inhalte und grundsätzliche Ausrichtung der Partei mehr in den Vordergrund schieben zu wollen, dann gäbe die Parteichefin einen ihrer größten Trümpfe sehr leicht aus der Hand. Denn es ist wenig wahrscheinlich, dass ihre parteiinternen Widersacher die Frage „Fundamentalopposition oder Koalitionsfähigkeit“ schon zu diesem Zeitpunkt entscheiden wollen. Sie werden zunächst danach streben, ihre Machtbasis in der Partei weiter zu stärken. Aus ihrer Sicht gibt es auch wenig Grund, von der Taktik der wohl kalkulierten Provokation abzugehen, auch wenn dies manche „bürgerliche AfD-Wähler“ abschreckt.

Bislang funktionierte die Arbeitsteilung - der rechtsnationale Flügel für die einen, gemäßigtere Positionen oder Relativierungen für die anderen in der Partei, ja recht gut. Inzwischen sind die anderen Parteien auf dem Weg, Wähler zurückzugewinnen, aber offenbar nicht ganz erfolglos. Auch das spielt eher dem Höcke-Flügel in die Hände als dem Petrys, die aus der AfD eine regierungsfähige „bürgerliche Volkspartei“ machen möchte.

Insofern kann die Partei der geforderten Richtungsentscheidung nicht mehr lange ausweichen. Sich nur im Gespräch zu halten, und sei es durch personelle Querelen, das ist für einen Wahlerfolg auf Dauer zu wenig. Frauke Petry hat das wohl erkannt. Ob sie den richtigen Weg gewählt hat, diese Entscheidung herbeizuführen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Sie wäre nicht die Erste, die daran scheitern würde.

von Michael Agricola

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