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Gemeinsam gegen den giftigen Hass

Terror Gemeinsam gegen den giftigen Hass

Woher kommt dieser Hass? Nach einer Woche des Entsetzens und der Trauer über sinnlose Attentate auf friedliche Menschen sitzt der Schock tief.

Am frühen Sonntagmorgen erschießt in Orlando ein mutmaßlicher Islamist 49 Menschen in einem Homosexuellen-Club. Am späten Montagabend tötet ein IS-Anhänger einen Polizisten und dessen Partnerin. Am Donnerstag greift ein wahrscheinlich rechtsradikaler Attentäter die britische Parlamentsabgeordnete Jo Cox an. Drei Terrorakte, die vermutlich nichts miteinander zu tun haben, sich aber in ihrer Sinnlosigkeit gleichen. Stets scheint es dem Täter nur darum gegangen zu sein, die Existenz seiner Opfer auszulöschen.

Brendan Cox, Ehemann der getöteten Abgeordneten, schrieb nach der schockierenden Tat: „Sie hätte sich jetzt vor allem zwei Dinge gewünscht. Erstens, dass unsere geliebten Kinder viel Liebe erfahren, und zweitens, dass wir uns alle zusammentun, um gegen den Hass zu kämpfen, der sie getötet hat. Hass hat keine Überzeugung, Ethnie oder Religion, er ist giftig.“

Das sind bewegende Worte. Nicht nur, weil sie von einem Mann kommen, dem man gerade den liebsten Menschen genommen hat. Es liegt eine tiefe Wahrheit darin. Wer nach den sinnlosen Morden nur bestimmten Überzeugungen, Ethnien oder Religionen den Kampf ansagt, irrt. Es ist der giftige Hass, der tötet. Ihn gilt es zu bekämpfen.

Das betrifft auch Deutschland, wo Drohungen und Gewalttaten gegen Flüchtlinge und ihre Helfer zunehmen. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die vor einigen Monaten ein Attentat knapp überlebt hat, warnt: „Wir leben aktuell in einem politischen Klima, wo in den sozialen Medien eine Wortwahl getroffen wird, die schon eine Entgrenzung ist.“ Dann sei es auch nicht mehr weit „von der Wortwahl zur Gewalttat“. Auch Kanzlerin Angela Merkel zieht aus dem Attentat auf Cox die Lehre, „dass wir einander mit Respekt begegnen müssen, auch wenn wir unterschiedliche politische Auffassungen haben“.

Damit trägt jeder Einzelne Verantwortung: Nicht zur Verrohung beizutragen, aber auch dort ein Stoppsignal zu setzen, wo andere mit verbalen Grenzüberschreitungen den Weg für Gewalt bereiten - egal, ob dies aus einer rechten, linken oder islamistischen Ecke kommt.

Darüber hinaus muss die Politik für größere gesellschaftliche Solidarität sorgen. Denn wo - bei Minderheiten wie in der Mehrheitsgesellschaft - ein Gefühl von Benachteiligung herrscht, findet der Hass den idealen Nährboden.

Trotzdem wird man Attentate nicht völlig verhindern können, das ist die bittere Realität. Hass ist blindwütig, er braucht keine Gründe. Aber wo man ihn eindämmen kann, muss man es versuchen.

von Stefan Dietrich

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