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Gegen die Angst mit Herz und Verstand

Terror Gegen die Angst mit Herz und Verstand

Es klingt wie eine Durchhalteparole, aber auch nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist der beste Rat, den man geben kann: Lebt weiter wie bisher! Behaltet die Nerven!

Lasst Euch nicht bange machen oder von Eurem Lebensstil abbringen - von niemandem! Das Ziel von Attentätern ist, Hass und Ängste zu säen - vor allem aber, uns gegeneinander aufzubringen und die Gesellschaft zu spalten. Diejenigen, die solche Taten politisch zu instrumentalisieren versuchen, mögen andere Ziele haben. Aber sie machen sich die schmutzige Arbeit von Mördern zunutze.

Umso wichtiger ist es, nicht blind oder ungerecht zu werden in der Wut und Hilflosigkeit, die auf eine so widerwärtige Tat folgt. An erster Stelle steht der Schutz der Bevölkerung. Doch man darf sich keiner falschen Erwartung hingeben. Anschläge wie der von Berlin sind kaum zu verhindern, auch schwerbewaffnete Polizisten oder Betonsperren an Eingängen bieten keine 100-prozentige Sicherheit. Im Zweifel suchen sich Attentäter dann einen anderen Ort oder greifen zu einer anderen „Waffe“. Ein unbewachtes „weiches Ziel“ lässt sich in einer freien Gesellschaft immer finden, das haben wir nicht erst Montag gelernt. Wäre es anders, lebten wir in einem Land, das nach unseren Maßstäben nicht sehr lebenswert wäre. Also müssen wir latente Gefahren akzeptieren, aufmerksam sein und unser Leben so unbeschwert weiterleben, wie es jedem eben gelingt.

Genauso wichtig ist der Umgang mit den Menschen, die durch die Taten einzelner erneut unter Generalverdacht zu geraten drohen. Versuchte und geglückte Terroranschläge gab es schon, bevor Hunderttausende Flüchtlinge Schutz bei uns gefunden haben. Dass Täter auf diesem Weg ins Land kommen konnten, kann man kritisieren. Es darf jedoch nicht von den in Deutschland und anderen europäischen Ländern geborenen und aufgewachsenen „Dschihad-Willigen“ ablenken, die bislang die deutlich größere Gefahr darstellen.

Deshalb reicht es auch nicht aus, Grenzen noch rigider zu bewachen und nur geheimdienstliche und polizeiliche Ressourcen zu stärken. Das biegsame Schlagwort „Integration“ muss parallel mit Leben gefüllt werden, von beiden Seiten gelebt, gefördert und gefordert werden. Sie darf nicht mehr länger sich selbst überlassen werden. Dazu gehört das Eingeständnis, dass die neuen Deutschen und seit langem hier lebende Ausländer oft nicht die gleichen Chancen in unserem Land haben und der Umgang mit ihnen häufig verbesserungswürdig ist. Dazu gehört auch, denen Grenzen zu setzen, die unsere Regeln für nicht verbindlich halten. Eine Aufgabe, die trotz der akuten Herausforderungen nicht länger aufgeschoben werden darf.

von Michael Agricola

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