Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Frauke Petrys geplanter Eklat

AfD Frauke Petrys geplanter Eklat

Wenn die AfD so etwas wie eine Kernkompetenz hat, dann ist es der Eklat. Provokationen und inszenierte Abgänge beherrschen die Rechtspopulisten so gut wie pubertierende Jugendliche.

Im Wahlkampf brach Alice Weidel mit ­gespielter Empörung erst ein Interview und dann einen Talkshow-Auftritt ab. Gestern verließ Parteichefin Frauke Petry eine Pressekonferenz mit den Spitzenkandidaten Weidel und Alexander Gauland. Zuvor hatte sie angekündigt, nicht der AfD-Fraktion angehören zu wollen.

Dieses endgültige Zerwürfnis war absehbar. Die Parteichefin war seit Monaten frustriert darüber, dass der offen rechtsradikale Flügel ihr die Show stahl. In dem Streit ging es nicht um eine Richtungsentscheidung, sondern um Macht. Petry, die heute ­„abseitige Positionen“ anderer AfD-Politiker kritisiert, ist in Wahrheit nicht gemäßigt. So forderte sie 2016 den Gebrauch von Schusswaffen ­gegen Flüchtlinge. Dass sie am Wahlabend mit moderaten Worten einen klaren Kontrast zu Gaulands aggressiven ­Parolen („Wir werden Frau Merkel jagen“) bildete, war Teil der Inszenierung. Offensichtlich hatte sie den gestrigen Eklat schon geplant.

Das ist eigentlich eine Frechheit gegenüber ihren Wählern: Wer die Direktkandidatin ­Petry wegen ihrer Parteizugehörigkeit gewählt hat, muss sich genauso getäuscht fühlen wie Bürger, die die AfD wegen der bürgerlich auftretenden Co-Parteichefin für wählbar hielten. Indes scheint es den meisten AfD-Wählern ohnehin egal zu sein, für wen sie gestimmt haben. 59 Prozent geben laut Infratest Dimap an, die Rechtspopulisten aus Protest gewählt zu haben - also nicht aus Überzeugung.

Deshalb war diesen Wählern egal, dass die Partei zu zentralen politischen Fragen - etwa zur Rente - kein Konzept hat. Es war ihnen egal, dass AfD-Politiker wie Gauland und Björn Höcke mit rassistischen Parolen - zum Beispiel über Jérôme Boateng und Afrikaner - auf Stimmenfang gehen. Auch das Chaos in der AfD - vom Austritt des Gründers Bernd Lucke über die Spaltung der Stuttgarter Landtagsfraktion bis zum Streit zwischen Petry und Gauland - war ihnen egal. Dass Petry die Fraktion verlässt, wird ihnen ebenso gleichgültig sein.

Sollte Petry eine neue, nicht so offen rassistische Partei gründen, wird sie im Wettbewerb mit den Radikalen genauso untergehen wie Lucke. Die AfD-Fraktion im Bundestag wird zwar absehbar weitere Austritte und Spaltungen verkraften müssen, weil junge Parteien immer Querulanten, Egomanen und Extremisten anziehen. Die anderen Parteien sollten aber nicht darauf vertrauen, dass sich die AfD nun selbst erledigt. Um die Protestwähler zurückzuholen, müssen die etablierten Parteien viel Überzeugungsarbeit leisten.

von Stefan Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar