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Europa spielt noch immer auf Zeit

Flüchtlinge Europa spielt noch immer auf Zeit

In dieser Woche muss der große Wurf gelingen. Wenn sich Europa und die Türkei nicht eklatanter Menschenrechtsverletzungen schuldig machen wollen, muss ein Plan für eine humanitär vertretbare Steuerung der Flüchtlingsströme herbei.

Wie schnell das notwendig ist oder wie lange das bereits überfällig war , zeigt die Lage an der mazedonisch-griechischen Grenze. Es war noch einigermaßen leicht, wegzuschauen, wie Menschen versuchten, so lange im Schlamm zu überleben, bis sich ihnen die Option auf eine Weiterreise bot. Selbst der frühere ArbeitsministerNorbert Blüm konnte mit seiner bemerkenswerten Extremcamping-Nacht in Idomeni nicht dafür sorgen, dass sich die Aufmerksamkeit auf jene Region richtete, die der Öffentlichkeit das Versagen einer gemeinsamen europäischen Politik vor Augen führt. In ihrer Verzweiflung durchqueren die Flüchtlinge einen reißenden Grenzfluss, werden von mazedonischen Soldaten wieder zurückgeschubst - was muss erst noch geschehen, bevor an den Brüsseler Verhandlungstischen für Hunderttausende ein praktikabler Ausweg aus der Fluchtfalle gefunden wird?

Es ist ein Spiel auf Zeit, mit dem Europa versucht, erst einmal all die EU-internen Rangeleien um die Flüchtlingsaufnahme zu schlichten, bevor wirklich den Menschen geholfen wird. Dieses Zeitspiel lässt sich nicht nach Belieben strecken. Wenn die Männer, Frauen und Kinder, die vor dem Tod aus ihrer Heimat flohen, auf vermeintlich sicherem Terrain den Tod finden, gibt es dafür keine politischen Erklärungen mehr.

von Carsten Beckmann

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