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Es ist schwer, immer ein Held zu bleiben

Robin Williams Es ist schwer, immer ein Held zu bleiben

Depressionen sind die Tränen der Seele, heißt es. Robin Williams ist nicht der erste Star, der mit diesen Tränen offensichtlich nicht mehr leben konnte und wollte.

Viele kennen den „großen Schmerz“, der kommt und geht, und einige bekennen sich sogar öffentlich dazu - Oscar-Preisträger Dustin Hoffman ebenso wie Nicole Kidman, Angelina Jolie, Halle Berry und Anne Hathaway. Vor fünf Jahren nahm sich Robert Enke, kein Hollywoodstar, aber ein berühmter Profifußballer, das Leben, weil er diese Krankheit und die Heimlichtuerei nicht mehr ertragen konnte.

Nicht nur die Reichen, Schönen und Prominenten sind betroffen. Regelmäßig bilanzieren Krankenkassen den Anstieg psychischer Erkrankungen; die häufigste Diagnose sind Depressionen. Etwa drei Millionen leiden mittlerweile darunter, 18-Jährige ebenso wie 65-Jährige. Die Zahl der Älteren, die in ihrer Einsamkeit von dieser tiefen Traurigkeit erfasst werden, wächst. Ob tatsächlich Jahr für Jahr mehr Menschen erkranken oder ob die stärkere öffentliche Aufmerksamkeit dazu führt, dass mehr Betroffene den Weg zum Arzt finden und Hausärzte häufiger als früher diese Diagnose in Erwägung ziehen, lässt sich allerdings nicht klären.

Fest steht: Noch immer schämen sich viele für diese Krankheit; und noch immer fällt es Kollegen und Bekannten schwer, dem Depressiven zu begegnen. Das Leiden ist nicht sichtbar wie ein gebrochener Arm. Es ist nicht medizinisch erklärbar wie ein entzündeter Blinddarm. Noch immer gilt die angeschlagene Psyche manchen als Ausdruck der Wehleidigkeit, der nervlichen Schwäche oder als Vorwand für den Ausstieg. Aber die Zeiten, als man noch öffentlich über die Neurasthenie, dem Vorläufer des Burn­out-Syndroms, als Folge des „Rasten und Hastens“ spottete, sind vorbei.

Mittlerweile ist unbestritten, dass es um eine ernste Erkrankung geht. Persönliche Brüche, Kränkungen in frühen Jahren können den Boden bereiten. Spätere Auslöser sind häufig Stress im Beruf oder im Privatleben und die Angst, zu versagen. Niederlagen werden nicht als Herausforderung gewertet, sondern als Katastrophe.

Fest steht: Depressionen müssen behandelt werden. Frühzeitig. Und sie müssen ausheilen wie eine Wunde. Denn jeder zehnte depressive Mensch spielt mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen, weil er glaubt, ein Therapeut könne ihm nicht mehr helfen.

Warum trifft es gerade die Reichen und Schönen? Sie sind Helden; und es ist immer schwer, Held zu bleiben. Robin Williams hat das Kinopublikum ermuntert, das Leben zu lieben. Er hat Millionen zum Lachen gebracht. Er selbst ist seinen Tränen erlegen.

von Gabi Stief

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