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Es geht nicht um Generalverdacht

Silvesternacht Es geht nicht um Generalverdacht

Die Kölner Polizei ist nicht zu beneiden. Anfang 2016 stand sie massiv in der Kritik, weil sie es in der Silvesternacht nicht geschafft hatte, massenhafte Diebstähle und sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung zu verhindern. Diesmal war sie besser gerüstet.

Offenbar hat es deutlich weniger Straftaten gegeben. Dennoch melden sich Kritiker zu Wort. Knapp 1000 Personen seien „alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt worden“, behauptete Grünen-Chefin Simone Peter.

Ist die Kölner Polizei rassistisch? Oder ist die Grünen-Politikerin Peter weltfremd? Wie immer hat die Medaille zwei Seiten. Ein Beispiel: Nahezu alle Sexualstraftäter sind Männer. Umgekehrt ist aber glücklicherweise nur ein kleiner Teil der Männer Sexualstraftäter. Beide Seiten gehören zur Wahrheit. Wer die erste Aussage leugnet, ist weltfremd. Wer die zweite bestreitet, tut Millionen Menschen Unrecht. Welche Seite der Medaille wichtiger ist, hängt von der konkreten Situation ab.

Die konkrete Situation in der Kölner Silvesternacht war: Nachdem im Vorjahr kriminelle Gruppen aufgetreten waren, musste die Polizei eine Wiederholung befürchten. Nach Zeugenaussagen waren die meisten Täter in der Silvesternacht 2015/2016 Männer aus arabischen Ländern. Offenbar hatten sich Kriminelle aus den Maghreb-Staaten unter die Flüchtlinge gemischt. Daraus muss die Polizei Lehren ziehen. Sie muss Verdächtige kontrollieren, wie sie das auch in anderen Situationen tut. Zum Beispiel kontrolliert sie vor Fußballspielen Fans, um potenzielle Gewalttäter herauszufischen.

Das lässt nicht den Umkehrschluss zu, dass alle Nordafrikaner oder gar die Mehrheit der Flüchtlinge kriminell sind. Es gibt viele friedliche und gesetzestreue Menschen aus arabischen Ländern. Für sie ist es sehr belastend, wenn sie sich unter Generalverdacht gestellt fühlen. Deshalb war es zumindest ungeschickt, dass die Polizei das Kurzwort „Nafri“ öffentlich verwendete. Das Wort mag im Berufsjargon harmlos sein. In der öffentlichen Debatte verleitet es aber zu Pauschalisierung und Missverständnissen.

Unter Generalverdacht gestellt hat die Kölner Polizei Nordafrikaner damit aber nicht: „Es ging nicht um das Aussehen, sondern um das Verhalten von jungen Männern“, betont Polizeipräsident Jürgen Mathies. Nach dieser Klarstellung ruderte auch Grünen-Chefin Peter zurück.

Sofern keine Hinweise auf wirklich rassistisches Verhalten von Polizisten auftauchen, ist die Diskussion damit erledigt. Das ist gut, weil so das Wesentliche in den Blick gerät: Die Polizei hat es geschafft, in Köln für Sicherheit zu sorgen. Das Chaos der Silvesternacht 2015/2016 war ein einmaliges Versagen, kein Menetekel für Deutschland.

von Stefan Dietrich

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