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Erklären Sie das mal Ihren Kindern!

Armut Erklären Sie das mal Ihren Kindern!

Gleich dreimal im Jahr richtet die Öffentlichkeit ihren Blick - jeweils für 24 Stunden - auf die Rechte von Kindern: Heute, am 1. Juni, ist "Internationaler Kindertag", am 20. September der "Weltkindertag", die Vereinten Nationen schließlich haben sich den 20. November ausgesucht für ihren "Internationalen Tag der Kinderrechte".

Die Schwerpunktsetzungen variieren: Mal geht es um die Schicksale von Kindersoldaten in Afrika, dann um die Arbeitsbedingungen minderjähriger Lohnsklaven auf den Mülldeponien und den Textilfabriken Asiens oder aber um Genitalverstümmelung, Zwangsehen oder Kinderprostitution.

Genauso schnell, wie wir an diesen Tagen mit der Nase auf die Grausamkeiten gestoßen werden, die Jungen und Mädchen auch im 21. Jahrhundert noch widerfahren, verebbt unsere Empörung jeweils nach kürzester Zeit wieder. Nur die wenigsten Menschen engagieren sich längerfristig dort, wo es darum geht, für Kinderrechte zu kämpfen. Dabei wäre es so einfach, ab und zu etwa Unicef zu unterstützen oder eine der zahlreichen kleineren Hilfsorganisationen, die mit großem Engagement konkrete Kinderhilfe in der ganzen Welt leisten.

Und vor der eigenen Tür? Klar, auf Kindersoldaten trifft man zwischen Biedenkopf und Oberammergau ebenso wenig wie auf Zwölfjährige, die nachts für einen Hungerlohn Fußbälle und T-Shirts zusammennähen müssen. Doch Armut und Elend finden sich in Deutschlands Kinderzimmern massenhaft: Je nach Bundesland leben hierzulande bis zu einem Drittel der unter Fünfzehnjährigen in Haushalten, die auf Hartz IV angewiesen sind. Was das für die Zukunftsperspektiven der Heranwachsenden bedeutet, ist hinlänglich bekannt.

Man ist nicht zwingend ein Sozialromantiker, wenn man vor diesem Hintergrund höchstmögliche Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche einfordert.

Solange die soziale Herkunft mit darüber entscheidet, welche Perspektiven junge Menschen in der Gesellschaft sowie im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt haben, muss es im Interesse aller sein, hier nach Kräften gegenzusteuern - und zwar aus handfesten Gründen: Jeder kennt das Stichwort des Fachkräftemangels, dem man sicherlich kaum begegnen kann, wenn man die Ausbildung junger Menschen zum Lotteriespiel verkommen lässt. Auf gut Deutsch: In die Förderprogramme für sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene muss jede Menge Geld und Personal gepumpt werden. Besser noch: Die Hilfe setzt schon im Kindesalter an, etwa durch regelmäßige, angemessene Anpassungen der Hartz-IV-Regelsätze. Wie bitte? Für all das sind keine Finanzmittel vorhanden? Erklären Sie das mal Ihren Kindern!

von Carsten Beckmann

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