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Einig in der Unsicherheit

Wahlprognosen Einig in der Unsicherheit

Im Berliner Regierungsviertel zählen die Stallwachen die Tage bis zur Bundestagswahl herunter. Um sich dabei die Zeit zu vertreiben, versuchen sie Vorhersagen zu treffen.

Die gängigste lautet derzeit: Es sind noch soundsoviele Tage bis sich nichts ändert.

Nun, so ganz sicher kann man da doch nicht sein. Die Umfrageinstitute sind sich einig nur in ihrer Unsicherheit: die einen sagen so, die andern sagen so. Je nachdem, ob man dem Deutschlandtrend oder dem Politbarometer folgt, hat Schwarz-Gelb eine Mehrheit oder eben nicht. Das liegt natürlich in erster Linie an den Liberalen, die nun schon seit geraumer Zeit auf dem Rand der Rasierklinge spazieren gehen. Mal schaffen sie den Einzug ins Parlament, mal sind sie draußen.

Das ist beim gegenwärtigen Grad der Wählermobilisierung nicht ungewöhnlich. In allen Bundesländern sind noch Ferien, oder sie gehen gerade eben zu Ende. Zum Schluss des Wahlkampfes wird sich der Trend für das Überleben der FDP im Bund vermutlich verstetigen.

Die Konstante in allen Umfragen ist die Bundeskanzlerin, die für eine Regierungschefin am Ende ihrer zweiten Wahlperiode erstaunlich hohe Zufriedenheitswerte bekommt. Ungewöhnlich wäre es nicht, wenn die Beliebtheit Abnutzungsspuren aufweisen würde. Selbst der „ewige“ Helmut Kohl war dagegen nicht gefeit, es war der Glücksfall der Einheit, der seine Kanzlerjahre verdoppelte.

Darauf kann Angela Merkel nicht setzen, also hat sie schon seit Langem eine andere Strategie entwickelt. Sie hat die Bevölkerung an sich gewöhnt in der Rolle der Aufpasserin. Die deutschen Belange sind bei ihr in guten Händen wunderbar geborgen, mögen da draußen in der Welt und auf den Kapitalmärkten noch so heftige Stürme toben.

Und dennoch: im Innern kommen die Einschläge näher. Selbst Ministerdenkmäler schwanken, international macht der große Freund an der Seite Sperenzchen. Das könnte am Ende zu der ernüchternden Feststellung führen: Es ist noch mal gut gegangen.

von Reinhard Urschel

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