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Eine Präsidentin - na und?

US-Wahlkampf Eine Präsidentin - na und?

Im November könnte zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika eine Frau an die Spitze der Regierung gewählt werden. Hillary Clinton hat die Nominierung als demokratische Kandidatin trotz des bis zuletzt lästigen Mitbewerbers Bernie Sanders nach den jüngsten Vorwahlen sicher.

Doch anders als vor knapp acht Jahren bei dem Hype um den möglichen ersten farbigen US-Präsidenten erfasst keine Euphorie das Land. Es gibt es keine Begeisterung zu Beginn des bevorstehenden Wahlkampfs, der doch erneut unter der Überschrift „Eine historische Chance für die USA“ stehen könnte.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Hillary Clinton kein strahlender Menschenfänger wie Barack Obama, keine Frau, die allein durch ihr Auftreten oder durch ihr Lächeln Herzen gewinnt. Und sie hat nicht den Vorteil des politisch unverbrauchten Hoffnungsträgers. Dazu ist sie dem Volk als frühere Außenministerin, Präsidentengattin und Senatorin schon zu lange in führenden Rollen bekannt.

In dieser Zeit ist ihr Ansehen zudem nicht unbeschädigt geblieben. Die Niederlage in den Vorwahlen 2008 gegen Obama und der keineswegs glänzende Erfolg in diesem Jahr vermitteln nicht den Eindruck von unverbrauchter politischer Kraft - zumal auch ihre politischen Standpunkte kaum dazu geeignet sind, Begeisterungswellen in der Wählerschaft auszulösen. Als Außenministerin setzte sie keine Akzente, die ihr jetzt noch hoch anzurechnen wären.

Kleinere Affären wie die um ihre unverschlüsselten E-Mails tun ihr Übriges, dass Hillary Clinton derzeit nicht als die geborene Nachfolgerin des entzauberten einstigen Hoffnungsträgers Obama erscheint. Sie wirkt lediglich als das geringere Übel, damit dem mutmaßlich unberechenbaren politischen Haudrauf Donald Trump der Weg ins Weiße Haus verwehrt bleibt. Das wird der Politikerin Clinton nicht gerecht und - im Erfolgsfall - auch nicht der Bedeutung der Wahl der ersten Frau ins wohl mächtigste Amt der Welt. Dass der erwartbar schmutzige Wahlkampf mit und gegen Trump das ändert, ist nicht zu erwarten. Aber vielleicht ist es ja auch wie mit der Freude auf die Fußball-EM. Die stellt sich bei vielen ja auch erst ein, wenn der Ball rollt.

von Michael Agricola

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