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Eine Ohrfeigefür die Opfer

Loveparade Eine Ohrfeigefür die Opfer

Die Aufarbeitung einer Strafsache vor Gericht dient neben der Sühne von gesellschaftlichem Fehlverhalten auch der Aufklärung der Motive, des Hergangs einer Tat und damit letztlich auch dem Ziel, dass Opfer und Angehörige einer Tat das Erlittene bewältigen und vielleicht für sich auch abschließen können.

Das gelingt zugegebenermaßen nicht immer, es kann auch nicht in allen Fällen gelingen. Wenn allerdings in einer in Deutschland beispiellosen Mordserie wie beim NSU jahrelange Ermittlungen und Gerichtsverfahren keine befriedigenden Antworten auf die Hintergründe zu geben versprechen; wenn nach einem tragischen Unglück wie bei der Duisburger Loveparade auch nach sechs Jahren nicht einmal ein Strafprozess zustande kommt, dann hat der Staat, in diesem Fall das Justizsystem, versagt.

Es bringt nichts, dafür nur das Gericht, nur die Staatsanwälte oder vielleicht auch nur die Fehler von Polizei und Gutachtern verantwortlich zu machen. Das ganze, ineinandergreifende System hat seine Aufgabe einfach nicht erfüllt. Und selbst wenn das Duisburger Landgericht den Prozess unter diesen Umständen eröffnet hätte, wäre der Gerechtigkeit wohl nicht gedient gewesen. Hinter der Richterkammer, die gestern aus ihrer Sicht die Notbremse gezogen hat, können sich die übrigen Beteiligten jetzt prima verstecken. Doch das spricht keinen frei von der Schuld, den Opfern von Duisburg und ihren Angehörigen damit einmal mehr eine üble Ohrfeige versetzt zu haben. Und es bestätigt - so gut Polizei und Justiz in der Regel auch arbeiten -, eine untragbare Schwäche der deutschen Gerichtsbarkeit: dass der Opferschutz zu oft nur eine Nebenrolle spielt.

von Michael Agricola

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