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Ein schwerer Rückschlag

Organspende Ein schwerer Rückschlag

Vor zwei Jahren erschütterte der Transplantationsskandal den Glauben an ärztliche Redlichkeit. Kontrollen ergaben, dass in vier Lebertransplantationszentren Daten von Patienten manipuliert worden waren, um schneller an ein Spenderorgan zu kommen.

Seit einem knappen Jahr muss sich ein Göttinger Mediziner wegen Totschlags vor Gericht verantworten, mit ungewissem Ausgang. Nicht wenige hatten gehofft, dass der Skandal, trotz zähen juristischen Nachspiels, in Vergessenheit gerät - eine falsche Hoffnung. Seit gestern sorgt ein neuer Fall für Aufsehen.

Betroffen ist diesmal das Deutsche Herzzentrum in Berlin, eine der renommiertesten Kliniken der Republik. Um bei der Vergabe von Spenderherzen bevorzugt zu werden, soll eine Ärztin in den Jahren 2010 und 2012 in gut zwei Dutzend Fällen die Diagnosen ihrer Patienten verfälscht haben. Die Klinik erstattete in dieser Woche Selbstanzeige. Eine Vorwärtsverteidigung - denn nicht die Klinikleitung, sondern die Prüfkommission der Bundesärztekammer, die im Zuge des Skandals berufen wurde, stieß auf Ungereimtheiten.

Man könnte die Ermittlungen also auch als Beleg sehen, dass die neuen Kontrollen funktionieren. Man könnte einwenden, dass es nach den bisherigen Informationen in Berlin um Altfälle geht - sozusagen aus jener Zeit, als man in einigen Transplantationszentren noch meinte, man könnte gegen die Regeln verstoßen, um den eigenen Patienten das Leben zu retten und um das persönliche Renommee zu steigern.

Man könnte. Aber Nachsicht wäre fehl am Platz. Die Manipulationen sind nicht nur kriminell, sie schaden auch jenen, die dringend Hilfe brauchen. Damals waren es schwerkranke Patienten, die auf der Warteliste nach hinten rückten. Heute sind es Tausende, die sterben, weil das Vertrauen potenzieller Spender zerstört wurde.

von Gabi Stief

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