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Ein Terrornest im Herzen Europas

Anschläge in Brüssel Ein Terrornest im Herzen Europas

Trauer, Entsetzen, Angst, Wut: Die Terroranschläge von Brüssel machen fassungslos und wühlen auf. Wie verblendet müssen die Täter sein, dass sie glauben, mit der Ermordung dutzender unschuldiger Menschen Gott zu dienen?

Welch ein widersinniger Gedanke, welch ein grausames Gottesbild! Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat Recht: „Terror ist Gotteslästerung.“

Die gnadenlosen Anschläge im Herzen Europas galten nicht nur den mehr als 30 Getöteten und hunderten Verletzten. Es waren Menschen, die zufällig zur falschen Zeit an den Anschlagsorten waren. Die Anschläge hätten jeden treffen können; sie sind gegen uns alle gerichtet. Sie rufen uns brutal ins Gedächtnis, dass auch hierzulande Terrorgefahr besteht.

Dass es in Deutschland bisher keine größeren islamistischen Anschläge gab, mag an der Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden liegen oder schlicht Glück sein. Prinzipiell kann aber keine kluge Sozial-, Außen- und Integrationspolitik, keine noch so ausufernde Überwachung, auch keine Grenzschließung völlig verhindern, dass radikale Wirrköpfe Gewalttaten planen. Das ist empörend, aber wir müssen damit leben - so wie wir auch mit anderen lebensgefährlichen Risiken leben.

Trotzdem darf und muss man die Frage stellen, ob die belgischen Behörden es Terroristen zu leicht gemacht haben. Brüssel ist ein Terrornest, das haben schon die Pariser Anschläge gezeigt. Offensichtlich haben Politik und Sicherheitsbehörden die Entwicklung von Parallelgesellschaften und terroristischen Strukturen jahrelang übersehen. Die Folgen dieses Versäumnisses scheint die Polizei trotz spektakulärer Anti-Terror-Razzien noch nicht im Griff zu haben. Es hat nicht nur viel zu lange gedauert, bis der mutmaßliche Terrorist Salah Abdeslam festgenommen wurde. Die Festnahme scheint zudem die Terroristen nicht merklich geschwächt zu haben.

Die Terrorfahnder in Belgien, aber auch in Deutschland und anderen Ländern werden ihre Lehren aus den Anschlägen ziehen, um Terroristen effektiver daran zu hindern, ihr Ziel zu erreichen - nämlich Angst zu verbreiten. Aber auch wir Bürger können das Ziel der Terroristen vereiteln: Indem wir unser Leben, trotz allem, nicht von Misstrauen und Angst bestimmen lassen.

von Stefan Dietrich

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