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Ein Boykott wäre der falsche Weg

Israel Ein Boykott wäre der falsche Weg

Das kleine High-Tech-Land Israel hat mit einem Telefonriesen ein Problem: Der Chef des französischen Telekommunikationsunternehmens "Orange" Stéphane Richard mag mit Israel nichts mehr zu tun haben.

Die Firma wolle nicht mehr in Ländern vertreten sein, wo sie nicht selbst als Betreiber agiert, politisch motiviert sei der Rückzug nicht, heißt es. Das sehen nicht nur Verschwörungstheoretiker in Israel anders: Die Rede ist von Boykott. Die Wogen schlagen hoch, die Empörung ist groß.

Erst kürzlich hatten Menschenrechtsaktivisten verlangt, den Vertrag wegen Aktivitäten des Lizenzpartners in den von Israel besetzten Palästinensergebieten zu kündigen. Doch so einfach geht das nicht: Eine israelische Firma, „Partner Communications“, zahlt Millionen von Euro, um den Markennamen „Orange“ tragen zu dürfen. Der Lizenzvertrag läuft bis 2025. In diesem Fall ist der Streit juristisch lösbar, und der französische Staat - ein Teilhaber des Konzerns - ist bemüht, die Wogen zu glätten.

Viel Wirbel um nichts? Nicht ganz: Die „Orange“-Ankündigung hat ein politisches Signal gesetzt. Was ist, wenn sich weitere Konzerne aus Israel zurückziehen, wenn sie tatsächlich Boykott-Aufrufen gegen die umstrittene Siedlungspolitik von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu folgen? Der akademische, wissenschaftliche Boykott ist bereits in Teilen im Gange. Darüber wird nur nicht allzu laut gesprochen.

Doch Boykotte dienen keinem Friedensprozess, sie stärken nur die Radikalen. Auch Netanjahu wird sich dadurch nicht beeindrucken lassen. Und ein Einfuhrverbot von Waren aus den besetzten Gebieten schadet den Arbeitern - auch den palästinensischen. Jegliche Schritte, die in Richtung Isolation gehen, sind daher falsch.

von Anna Ntemiris

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