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Ein Ausdruck von Spaltung

Pegida Ein Ausdruck von Spaltung

Die Pegida-Bewegung hat sich radikalisiert und kann auch mit gutem Willen nicht mehr als Ausdruck von reiner Besorgnis interpretiert werden.

Diese Entwicklung zeigt aber auch eine Tendenz auf, die auf die gesellschaftliche Situation insgesamt übertragen werden kann: Die Flüchtlingsdebatte spaltet zunehmend das gesamte Land.

Wer nach all den Skandalen um Pegida und deren Chef Lutz Bachmann noch immer mit der Vereinigung auf die Straße geht, für den gibt es keine Ausrede mehr. Pegida hat sich mittlerweile eindeutig als rechtsextrem demaskiert - anders als vor einem Jahr, als unter anderem Vizekanzler Sigmar Gabriel noch das Gespräch mit den Demonstranten suchte. Bachmanns Hitler-Posen, der vieldiskutierte Galgen und nun die KZ-Rede sprechen eine deutliche Sprache.

Auch jenseits von Dresden gibt es bedenkliche Anzeichen für eine Verrohung, seien es die Hetze im Internet, brennende Asylunterkünfte oder zuletzt die abscheuliche Messerattacke auf Henriette Reker in Köln. Taten, die von oftmals unbelehrbaren Hohlköpfen ausgeführt werden, bei denen Argumente so oder so nicht mehr ankommen. Doch diese stehen bei Weitem nicht alleine da.

Gerade bei Pegida sind offenbar, ungeachtet aller Vernunft, Menschen mit auf der Straße, die die rechte Ideologie nicht uneingeschränkt teilen. Sie sehen die Kundgebungen etwa als „einzige Möglichkeit, seinen Protest zu zeigen“ oder gehen einfach aus Angst vor Veränderungen zu den Demonstrationen.

Jüngste Umfragen zeigen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Deutschen nicht mehr mit der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel zufrieden ist. Und es steht zu befürchten, dass die Zahl von Bedenkenträgern in den kommenden Jahren nicht kleiner wird - denn die eigentliche Aufgabe der Integration liegt erst noch vor uns.

Gegen eine derart hohe Anzahl von Menschen hilft soziale Isolation alleine nicht weiter. So mühsam es auch sein mag und so dumpf einem manche Haltung auch erscheinen mag: Nur durch Überzeugungsarbeit auf sachlicher Ebene und auf Augenhöhe kann eine gesellschaftliche Spaltung verhindert und den rechten Brandstiftern somit das Gefühl breiter Unterstützung entzogen werden.

Der einzige Weg, Pegida und anderen Bewegungen den Nährboden zu entziehen, ist weniger Aufregung und weniger Empörung in der Auseinandersetzung um das Thema Flüchtlinge. Das gilt für die Politik ebenso wie für den einfachen Bürger. Rechtspopulisten muss man selbstverständlich weiterhin entschieden entgegentreten. Allein mit der Nazikeule aber wird der sogenannte „Aufstand der Anständigen“ nicht zum Ziel führen.

von Peter Gassner

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