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Ein Abbild der großen Welt

Vermögensverteilung Ein Abbild der großen Welt

Die Bundesbank hat einmal mehr untersucht, wie es um die Vermögen der Deutschen bestellt ist und hat einmal mehr festgestellt: Die Reichen werden immer reicher.

Ob das mit der Politik des billigen Geldes zu tun haben könne, die die Europäische Zentralbank seit Jahren verfolgt, müsse noch genauer untersucht werden.

Ohne weiter darüber nachzudenken, kann ich den Bundesbänkern schon jetzt verraten, dass jemand, der 1400 Euro im Monat verdient und davon eine Familie ernähren muss, nicht einmal im Traum daran denkt, ein Haus zu bauen oder mit Aktien zu spekulieren - besonders lukrative Formen des Vermögens, die in der Studie eingehend beleuchtet werden. Der 1400-Euro-Haushalt gibt sein Geld komplett dafür aus, das ganz normale Leben zu bestreiten.

Das gelingt jemandem, der 14000 Euro im Monat bekommt, sehr viel schwieriger. Er ist beinahe gezwungen, etwas von dem Geld anzulegen, sei es in Immobilien, Aktien oder anderen Vermögensformen.

Und deshalb verwundert es auch nicht, dass die reichsten zehn Prozent der Deutschen inzwischen über 60 Prozent des Gesamtvermögens verfügen, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung sich mit 2,5 Prozent vom großen Kuchen begnügen muss.

Die Zahlen dürften vielmehr der Politik als dezentes Zeichen dienen, wo sich noch Finanzmittel holen lassen, um größere gesellschaftliche Projekte anzugehen. Etwa für eine Bildungsoffensive in den Unterschichten, um das dort vorhandene Leistungspotential nicht weiter vergammeln zu lassen.

Die Flüchtlingskrise demonstriert gerade eindrucksvoll, wohin die ungleiche Verteilung von Vermögen auf Dauer führt. Wer also nicht in einigen Jahrzehnten noch höhere Mauern und Zäune um Deutschlands Villenviertel bauen und ziehen will, hat jetzt noch Gelegenheit, etwas gegen die alarmierende Schieflage zu tun.

Noch richtet sich der ungebildete Frust der Unzufriedenen vor allem gegen alles Fremde. Das hat eine lange Tradition und den Vorteil, dass er sich gegen noch Schwächere richtet. Das muss nicht so bleiben.

Nordafrikas Diktatoren wähnten auch lange, unantastbar zu sein. Der so genannte Arabische Frühling belehrte sie eines Besseren.

Solange die Politik es einer Schicht von Reichen möglich macht, auch ohne den Anschein jeder Form von Arbeit das eigene Vermögen stetig zu vermehren und dabei noch „in Saus und Braus“ zu leben, dient sich nicht dem Volke. Dessen Wohl zu mehren aber haben die Abgeordneten geschworen.

Daran könnten die Bundesbänker sie bei Gelegenheit mal erinnern.

von Frank Rademacher

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