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Edathy verdient gerechtes Urteil

Kinderpornografie Edathy verdient gerechtes Urteil

Sebastian Edathy hat recht: Man sollte ihn wirklich nicht unterschätzen. Deshalb wird sich das aktuelle Bild auf seiner Facebook-Seite mit dem Titel „Hausschlachtung“ ganz bestimmt auf die fertiggestellte Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Hannover gegen den mutmaßlichen Besitzer von Kinderpornografie beziehen.

Edathy, das war der mutige Sozialdemokrat aus den Zeiten der NSU-Ermittlungen, der Hoffnungsträger einer neuen Politikerspezies, die gern auch mit Migrationshintergrund das Altherren-Image der Machtverwalter hinter sich gelassen hat. Und jetzt ist der Angeklagte Edathy zum Symbol einer dreckigen Missbrauchswelt geworden.

Beide Extreme sind vermutlich verzerrte Beschreibungen. Aber Edathy hat bis heute nichts getan, was für Außenstehende die gegen ihn erhobenen Vorwürfe auch nur eine Spur erträglicher erscheinen lässt. Nicht auszudenken, wenn sich im Zuge der weiteren Ermittlungen und Verhandlungen auch noch herausstellen sollte, dass es ein dunkles System der vorsorglichen Warnung, der freundschaftlichen Rücksichtnahme oder der parteiischen Kumpanei zwischen Niedersachsen und Berlin gegeben haben könnte. All dies sind Fragen, die dringend aufgeklärt werden müssen. Ohne falsche Rücksicht, aber auch ohne Hass. Viel wird dabei abhängen von der seriösen und kompromisslosen Arbeit der Staatsanwaltschaft. Dass es die einschlägig erfahrene Anklagebehörde in Hannover ist, muss dabei kein Nachteil sein.

„Ich bin nicht pädophil“, hat der Angeklagte von unbekannter Stelle im Ausland aus versichert. Wer unter Kinderporno-Verdacht steht, dem helfen solche Alarm-Sätze nichts. Über den Akt eines Kindes sagte er: „Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber.“

Das muss man nicht verstehen wollen. Aber es sollte Anlass genug sein, eine klare Rechtslage ohne Grauzonen zu schaffen. Betrachter sehen sich derlei Fotos mit schrecklichen Hintergedanken an. Die Unterschiede mögen groß oder graduell sein. Entscheidend ist, dass diese Bilder oft genug aus einem Milieu stammen, das mit Kunst nichts und mit Missbrauch fast alles gemein hat.

Wie es mit dem Menschen Edathy nach dem Prozess weitergeht, ist eine wichtige Frage. Was mit den Kindern geschehen ist, an deren künstlerisch herausgestellter Nacktheit sich der 44-Jährige ergötzt (hat?), ist die entscheidendere Frage. Wie immer sollte auch bei einem prominenten Täter das Leben der Opfer nicht in Vergessenheit geraten.

Edathy war als Politiker eine Zeit lang Vorbild. Man darf ihn deshalb nicht besonders hart bestrafen. Es muss aber gerecht zugehen. Als Politiker ist Edathy fehl am Platz.

von Dieter Wonka

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