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Diese Auszeichnung birgt eine Mahnung

Friedensnobelpreis Diese Auszeichnung birgt eine Mahnung

Es ist von bitterer Ironie, dass ausgerechnet im Krisen-, Kriegs- und Seuchenjahr 2014 das Nobelkomitee die Träger des Friedensnobelpreises unter 278 Kandidaten wählen musste.

Bei keiner Wahl zuvor war die in Oslo eingereichte Liste mit den Vorschlägen länger. Ein Rekord, der leider nicht den Schluss zulässt, dass wir in rekordverdächtig friedlichen Zeiten leben - im Gegenteil. Eher spricht die Länge der Kandidatenliste für eine gewisse Ratlosigkeit, für Verlegenheit im Umgang mit den zahllosen Konflikten weltweit.

Keine Frage: Die zwei Bildungsaktivisten Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi sind würdige und verdiente Preisträger. Ihr tapferer Einsatz für bessere Lebensbedingungen von Kindern ist eine Mahnung: Respekt vor der jungen Generation ist kein Luxusthema, sondern existenziell wichtig. Erst recht angesichts einer Weltbevölkerung, die in weiten Teilen sehr, sehr jung ist. Jene, in deren Hand es ist, auf die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention zu achten, applaudieren Yousafzai und Satyarthi jetzt lautstark zu - aber Lob und Gratulation dürfen nicht alles gewesen sein. Denn die Macht der Politiker ist - anders als jene von Yousafzai und Satyarthi - nicht bloß eine symbolische. Sie ist real. Und das zuletzt merkliche Fehlen von mächtigen Politikern auf der Liste der vom Nobelkomitee Geehrten verweist auf ein Problem.

Vorletztes Jahr die EU, letztes Jahr die Organisation für das Verbot chemischer Waffen, jetzt zwei Aktivisten - das Nobelkomitee vermeidet es, einzelne Politiker auszuzeichnen, und leider kann man ihm da keinen Vorwurf machen. Es drängt sich kein Staatenlenker auf, dem ein entscheidender Beitrag zur Lösung großer Konflikte zuzutrauen ist; ob in der Ukraine, im arabischen Raum oder beim Klimaschutz. Hoffentlich wird die Kandidatenliste nächstes Jahr nicht noch länger ausfallen.

von Marina Kormbaki

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