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Die zerbrechliche schöne neue Welt

Telekom-Störung Die zerbrechliche schöne neue Welt

Fernsehserien auf Abruf, wann immer man will. Kontakt halten mit den Lieben, die sich irgendwo anders in der Welt aufhalten. Bankgeschäfte oder den Weihnachtseinkauf erledigen, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen.

Kühlschränke, die demnächst eigenständig bestellen, wenn die Butter oder die Milch leer sind - die Welt des Internets ist verlockend, verspricht Fortschritt und hat scheinbar keine Grenzen. Bis das Internet mal „kaputt“ ist. So wie am Sonntag und gestern bei hunderttausenden Telekom-Kunden, die plötzlich in die Röhre schauten.

Die schöne neue Welt ist äußerst zerbrechlich, und sie wird auch, aber nicht nur von bösen Hackern und Kriminellen bedroht. Das Netz ist nicht so hervorragend, wie es die Werbung verspricht - und die Ausfälle häufen sich. In Deutschland werden die Kunden zunehmend gezwungen, nicht nur den Onlinezugang über den Internetzugang zu buchen, sondern auch den Telefonanschluss und möglichst dann auch noch das Fernsehangebot. Mit dem Ergebnis, dass bei Störfällen alles ausfällt, selbst der gerade für ältere Menschen so wichtige normale Telefonanschluss.

Das ist wohl im Sinne der Telekommunikationsunternehmen, und es ist ganz sicher im Interesse der Datensammler - der staatlichen wie der Kriminellen. Ob es im Sinn der Kunden ist, darüber lässt sich streiten. Doch weil sehr vielen Konsumenten gar nicht bewusst ist, was sich mit der Umstellung auf die neuen Breitbandanschlüsse technisch verändert hat, bleibt der Aufschrei aus. Auch in vielen Unternehmen fehlt es noch am nötigen Problembewusstsein. Wir alle sind schon jetzt im Alltag abhängig vom reibungslosen Funktionieren der Internettechnik. Ein Ausfall kostet uns im Privaten viele Nerven, ein Unternehmen im Zweifel schnell ein Vermögen. Doch erst wenn der Schaden da ist, beschäftigen sich die meisten intensiver damit. Vielleicht hilft dieser Vorfall, sich dessen bewusst zu werden. Und mal zu handeln, bevor das Kind in den Brunnen fällt.

von Michael Agricola

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