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Die leisen Töne zu Ostern

Terror Die leisen Töne zu Ostern

Auf das Osterfest fällt dieses Jahr der Schatten des Terrors - nicht nur in Brüssel, sondern in ganz Europa. Die Festnahme eines Terrorverdächtigen in Gießen mag manchen erschreckt haben: Die Terrorgefahr scheint plötzlich ganz nahe herangerückt zu sein.

Was sonst die Osterzeit prägt, ist im Nachhall der Brüsseler Anschläge leicht zu überhören: Die Predigten kirchlicher Würdenträger und die Friedensappelle der Ostermarschierer.

Im Fokus der Öffentlichkeit steht die Aufarbeitung der Anschläge: Wer war beteiligt, warum konnten die Sicherheitsbehörden die mörderischen Taten nicht verhindern, wie lässt sich die Terrormiliz in die Knie zwingen? Diese Fragen sind berechtigt, ihre Beantwortung ist notwendig für die Sicherheit Europas.

Doch gerade in Zeiten von Terror und Krieg lohnt es sich, auch auf die leisen Töne zu hören. Papst Franziskus geißelte am Gründonnerstag die Waffenhändler als Verantwortliche für den Terror. Und Vertreter der Evangelischen Kirchen warnten davor, Hass zu säen und Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Das entspricht auch dem Anliegen der Friedensmärsche.

In Zeiten grauenhafter Terrorakte mögen die Ideale des Friedens und der Menschenliebe, das Streben nach einer gerechten Welt naiv wirken. Doch oft genug haben die vermeintlich Naiven gewonnen: Der frühere Bundeskanzler Willy Brandt und sein Minister Egon Bahr, deren Ostpolitik Jahre später zum Fall der Mauer beitrug. Papst Johannes Paul II., dessen Einsatz für Demokratie einen Wandel in seinem Heimatland Polen bewirkte. Und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, deren jahrelanger Kampf für Demokratie in Myanmar sich am Ende auszahlte. In Wahrheit waren sie alle nicht naiv - sie hatten Hoffnung.

Hoffnung, ein Wort, das so gut zum Osterfest passt, lohnt sich offensichtlich. Deshalb sollten wir Europäer nicht nur darüber nachdenken, wie man Anschläge verhindert - sondern auch darüber, wie man dauerhaft Frieden schaffen kann.

von Stefan Dietrich

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