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Die erste Blockade

NSU-Prozess Die erste Blockade

Im Münchner NSU-Prozess läuft gerade eine ermüdende Schallplatte. Seit drei Tagen befragen die zahlreichen Nebenkläger den Mitangeklagten und Szene-Aussteiger Carsten S. nun schon zu den immer wieder gleichen Sachverhalten.

Es geht um die Waffenübergabe in Chemnitz, seinen ideologischen Rückhalt und die persönlichen Beziehungen zum NSU-Trio. Das mögen wichtige Fragen sein, doch der Angeklagte liefert schon lange keine neuen Antworten mehr. Entweder, weil er nicht kann. Oder weil er nicht will. Manch Anwalt macht aus der Befragung auch gerne eine kleine Ego-Show. Und so erlebt der Prozess zum ersten Mal gerade das, was viele vorher angesichts von über hundert Beteiligten und der Flut von Neben­klägern befürchtet hatten: eine Blockade.

Beate Zschäpes Verteidigern wird das nicht recht sein. Lässt es doch Raum für nähere Betrachtungen der Hauptangeklagten. Die hat vor Gericht nicht nur zunehmend körperlich zu kämpfen, sondern auch neue Ermittlungen wegen des jetzt bekannt gewordenen Nürnberger Rohrbombenanschlags am Hals. Außerdem wurde ein Brief Zschäpes an einen Mitinsassen abgefangen. Der Inhalt lässt durchaus erahnen, wie Zschäpe in einer Mischung aus Strenge, Bauernschläue und sonderbarer Sanftmut innerhalb des Trios agiert haben könnte. Ihre Anwälte stehen unter Druck. Es wird Zeit, die Platte umzudrehen und ihnen das Fragerecht an Carsten S. zu erteilen. Das könnte durchaus neue Antworten liefern.

von Patrick Tiede

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