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Die Zeit ist reif für den Abzug

Afghanistan Die Zeit ist reif für den Abzug

Man kann der Bundesregierung zumindest nicht vorwerfen, dass sie die Lage in Afghanistan schönreden würde. Der gestern vom Bundeskabinett verabschiedete „Fortschrittsbericht“ zeichnet ein recht ungeschminktes Bild der Situation in dem zentralasiatischen Land.

Erfolgen beim Aufbau etwa des Bildungs- und Gesundheitssystems steht eine weiterhin prekäre Sicherheitslage gegenüber, auch wenn die Zahl der Anschläge in diesem Jahr leicht zurückgegangen ist.

Keine Frage: Viele Ziele, die sich der Westen nach dem Sturz der Taliban 2001 gesetzt hat,wurden nicht erreicht. Teils wegen eigener Fehler, teils aber auch, weil Gewalt, Korruption und Rückständigkeit zu tief in der afghanischen Gesellschaft verwurzelt sind, um in wenigen Jahren von außen einen grundlegenden Wandel herbeiführen zu können. Und die Gefahr ist groß, dass die Taliban nur abwarten, bis die Nato den größten Teil ihrer Soldaten aus Afghanistan abgezogen hat, um dann zum entscheidenden Schlag gegen Präsident Hamid Karsai und seine Regierung auszuholen.

Dennoch ist es richtig, dass die Bundeswehr und ihre Verbündeten jetzt mit dem schrittweisen Rückzug aus Afghanistan beginnen. Denn das westliche Verteidigungsbündnis kann nicht auf ewig dort bleiben. Trotz aller Probleme und Risiken müssen die Afghanen nun selbst die Verantwortung für ihr Land übernehmen. Man darf sie dabei nicht allein lassen wie nach dem Abzug der Sowjets 1989.

Entwicklungs- und Ausbildungshilfe nicht nur für die Sicherheitskräfte wird wohl noch für Jahrzehnte notwendig sein, muss aber auch an konkrete Bedingungen geknüpft werden. Dann könnte es eine realistische Chance geben, dass Afghanistan auch nach dem Abzug der westlichen Kampftruppen nicht wieder in die Hände der Steinzeit-Islamisten fällt.

von Joachim Riecker

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