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Die Schlacht ist wieder offen

Steinbrück Die Schlacht ist wieder offen

Schachspieler wie Helmut Schmidt oder Peer Steinbrück wissen, am Ende gewinnt der, der den König - oder die Königin Merkel - matt setzt, wer immer ein paar Züge mehr im Voraus denkt als der Gegner.

Schlicht, wer die besseren Schachzüge drauf hat. Kanzler in Deutschland wird derjenige - oder diejenige -, dem die Menschen mehrheitlich vertrauen, von dem sie die Lösung der großen Probleme erwarten. Peer Steinbrück, der glücklos gestartete SPD-Kanzlerkandidat und bestens honorierte Vortragsreisende, hat es auf dem gestrigen Parteitag in Hannover zumindest geschafft, für den schier aussichtslosen Kampf gegen Angela Merkel die eigene Partei hinter sich zu vereinen und ihr wieder Kampfeswillen einzuimpfen. Steinbrück hat mit seiner Kanzlerbewerbungsrede die Schlacht ums Kanzleramt wieder etwas offener gestaltet. Und das ist, schaut man auf die Ausgangsbedingungen, bereits eine ganze Menge.

Nach Merkels präsidialer Rede - vor ein paar Tagen fast am gleichen Ort beim CDU-Parteitag -, die so scharfkantig und präzise war wie Wackelpudding, hat sich ein spitzzüngiger und gewitzter SPD-Herausforderer präsentiert, den die CDU-Kanzlerin nicht einfach majestätisch abtropfen lassen kann wie bisher. Steinbrück fährt der über allem wallenden Kanzlerin scharf in die offenen Flanken - und davon gibt es einige in Deutschland. Von galoppierenden Mieten, der Ausbeutung von Billiglöhnern sowie der Generation Praktikum, der nicht gelungenen Zähmung der Finanzmärkte bis zur drohenden Altersarmut.

Während Angela Merkel die Hüterin der deutschen Euros und die ehrliche „Mutti“ für alle Unwägbarkeiten der unruhigen Zeitläufte gibt - und damit großen Zuspruch findet, intoniert Steinbrück kräftig und schrill die Melodie: Mit Rot-Grün geht es besser. Wo Merkel vage formuliert, knallt Steinbrück ein tiefrotes Kontrastprogramm an die Wand. Austausch- oder gar verwechselbar sind die beiden großen Volksparteien jedenfalls nicht. Die beiden Kandidaten sowieso nicht. Bleibt die Frage, ob Steinbrück auch Kanzler kann? Seit gestern muss die Antwort lauten: Ja, er könnte es.

von Reinhard Zweigler

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