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Die Pflicht zu helfen

Humanitäre Krisen Die Pflicht zu helfen

Kämen Außerirdische im Jahr 2016 auf die Erde, so würden sie unseren Planeten wahrscheinlich fluchtartig wieder verlassen. Jedenfalls, wenn sie nicht zufällig in Europa oder Nordamerika gelandet wären.

Hierzulande geht es den meisten Menschen einigermaßen gut - abgesehen von Schicksalsschlägen und der gestiegenen Terrorgefahr. Doch in vielen Ländern kämpfen Tausende ums nackte Überleben.

Wie klein werden die meisten unserer Probleme, wenn man sich für einen Moment in die Lage der Menschen im syrischen Aleppo versetzt: Kampfjets werfen Bomben auf die Großstadt, Zivilisten werden verletzt - und nun droht auch noch eine Belagerung. Viele sind geflüchtet - und warten nun vergebens an der türkischen Grenze auf Einlass.

Nicht nur in Aleppo ist die Lage katastrophal. Im Jemen sind wegen des Bürgerkrieges tausende Kinder unterernährt. In Afghanistan flüchten hunderttausende Menschen vor den Taliban. In der Türkei sterben Zivilisten bei Kämpfen zwischen der Armee und der kurdischen PKK. In weiten Teilen Ost- und Südafrikas droht wegen einer Dürre tausenden Menschen der Hungertod. Und in Nigeria terrorisieren Boko-Haram-Krieger die Bevölkerung.

Es ist schrecklich, dass Menschen solche Gräueltaten begehen. Es ist empörend, dass Kriegsparteien und Weltmächte den Tod tausender Zivilisten in Kauf nehmen. Es ist skandalös, dass die Vereinten Nationen um Geld für die Versorgung der Hungernden und Flüchtlinge betteln müssen. Und es ist traurig, dass sich die deutsche Flüchtlingsdebatte nur noch um die Frage dreht, wie man Menschen an der Einreise hindern kann.

Man könnte resignieren in ohnmächtiger Wut auf die Regierungen, die nichts gegen das himmelschreiende Unrecht in der Welt tun. Aber das wäre falsch. Jeder von uns kann wenigstens einen kleinen Beitrag zur Linderung des Leides leisten - zum Beispiel, indem er eine Hilfsorganisation unterstützt.

Darüber hinaus müssen wir Bürger aber auch bei unseren Politikern mit Nachdruck einfordern, dass auch sie handeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon vor vielen Monaten gesagt, man müsse die Fluchtursachen bekämpfen. Getan hat sich seither wenig.

von Stefan Dietrich

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