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Die Mär von der Selbstbestimmung

Prostitutionsgesetz Die Mär von der Selbstbestimmung

Jahrelang hat die Koalition um das neue Prostitutionsgesetz gezankt, sich aber nun in den Grundzügen darauf verständigt, dass Freier für Sex ohne Kondom künftig bis zu 50000 Euro Strafe zahlen, Betreiber erstmals eine Erlaubnis für Bordelle beantragen, Prostituierte sich bei einer Behörde anmelden und regelmäßig gesundheitlich beraten lassen müssen.

Zudem ist mit Sex-Flatrates und Gruppensex-Partys Schluss - das zumindest hofft man in Berlin. Doch ob das, was im Bundeskabinett beschlossen wurde, ausreicht, um Frauen vor sexueller Ausbeute zu schützen, ist zweifelhaft.

Dass Prostituierte durch die geplante Kondompflicht vor Geschlechtskrankheiten geschützt und in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden sollen, ist zwar gut gemeint. Letztendlich lässt es sich aber nicht überprüfen. Aushänge, die auf die Kondompflicht hinweisen, sowie ein Werbeverbot für ungeschützten Geschlechtsverkehr werden zudem die nach wie vor 70 Prozent der Freier, die ungeschützten Sex verlangen, wohl kaum davon abhalten, auf das Kondom zu verzichten. Ebenso wenig wird es die Bordellbesitzer besänftigen, die die Prostituierten finanziell häufig massiv unter Druck setzen. Selbstbestimmung? Nicht in diesem Geschäft.

Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere. Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung findet nahezu ausschließlich im Prostitutionsmilieu statt. Auch der mit der Meldepflicht einhergehende Behördenkontakt wird kaum dazu führen, dass sich eingeschüchterte und missbrauchte Frauen offenbaren - wenn sie überhaupt erscheinen. Eine behördliche Anmeldung ist nur in der ersten Stadt und wenn es sein muss auch mit falschem Namen nötig. Prostituierte, besonders solche, die beispielsweise aus Osteuropa zwangsimportiert werden, bleiben aber nicht an einem Ort, sondern werden wochenweise von Stadt zu Stadt, von Bordell zu Bordell verschoben. Ihnen bringt die Anmeldepflicht rein gar nichts. Sie werden weiterhin im Prostitutionsdschungel verschwinden.

Immerhin ist das neue Prostitutionsgesetz ein Schritt in die richtige Richtung. Längerfristig wird er aber nicht ausreichen, um die Ausbeute in der Prostitution zu bekämpfen und den Zuhältern und Menschenhändlern ihr Geschäft zu erschweren.

von Ruth Korte

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