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Die Erkenntnis kommt zu spät

Irakkrieg Die Erkenntnis kommt zu spät

Manchmal muss man eine Kommission bilden, um offiziell etwas feststellen zu lassen, was die meisten schon wissen. So hat die Chilcot-Kommission in Großbritannien nun festgestellt, dass die Regierung von Tony Blair 2003 voreilig handelte, als sie an der Seite der USA britische Soldaten in den Irakkrieg schickte.

Geheimdienst-Berichte seien nicht kritisch hinterfragt, Möglichkeiten einer friedlichen Lösung nicht ausgeschöpft worden.

All das wussten Millionen Menschen schon 2003 - nur Tony Blair will angeblich nach bestem Wissen gehandelt haben. Dabei gab es damals Mahner genug: Tausende Demonstranten, die gegen den drohenden Krieg auf die Straße gingen. Bundeskanzler Gerhard Schröder, der eine friedliche Entwaffnung des Irak forderte. Bundesaußenminister Joschka Fischer, der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ins Gesicht sagte, dass ihn dessen Kriegs­rhetorik nicht überzeugte: „Excuse me, I am not convinced!“

Voreilig führte Blair sein Land in einen Krieg, in dem etwa 100000 Menschen starben. Spätfolge dieser falschen Politik war der Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat - mit tödlichen Konsequenzen auch für Europa. Blair wird trotz dieses folgenschweren Fehlers ungeschoren davonkommen.

Dennoch ist der Bericht der Kommission nicht völlig unnütz, wenn man die richtigen Lehren daraus zieht, wie es Noch-Premier David Cameron macht: Soldaten dürften nur als „letztes Mittel“ und nach ausführlicher Beratung in den Krieg geschickt werden. Dem wäre noch hinzufügen, dass es nicht nur für die stets besonders umstrittene Entsendung eigener Soldaten gilt - sondern auch für Einsatz und Lieferung von Waffen. Camerons Erkenntnis sollten auch deutsche Politiker beherzigen.

Momentan geht hierzulande die Diskussion in die andere Richtung. Angesichts der Terrorgefahr und des neu aufflammenden Konflikts mit Russland findet mancher, es sei zu umständlich, vor jedem Bundeswehr-Einsatz grünes Licht vom Bundestag einzu­holen. Doch der Blick in den Irak, nach Syrien und Libyen lehrt, dass gerade voreilige Entscheidungen die weltweite Sicherheit gefährden. Wenn später eine Kommission feststellt, dass die Zweifler Recht hatten, ist es zu spät.

von Stefan Dietrich

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