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Deutschland im Mittelfeld

Muslime Deutschland im Mittelfeld

So ist das mit Umfragen: Auf den ersten Blick liefern sie ein mehr oder weniger eindeutiges Bild, beim zweiten gedanklichen Nachfassen gerät dieses Bild ins Wanken und die Deutungsebene wird diffus.

Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hat auch im vergangenen Jahr in allen EU-Staaten 25000 Zuwanderer verschiedener ethnischer Gruppen gefragt, in welchem Maß sie sich als gesellschaftlich integriert betrachten. Mehr als 10000 der Befragten waren Muslime. Drei Viertel der Interviewten gaben an, eine starke Bindung zu dem Land zu haben, in dem sie aktuell leben. Das klingt positiv, und es scheint erst einmal ganz pauschal ein Anzeichen für gelungene Integration zu sein.

Wenig überraschend ist, dass 87 Prozent der Muslime Gewalt als Reaktion auf rassistische oder religiöse Beleidigungen ablehnen – denn Hand auf’s Herz: Sie würden in einer Befragung ja wohl auch kaum sagen, dass Sie Gewalt für die angemessene Antwort auf Diskriminierung halten, oder? Sie ist der Umfrage zufolge höchst real, die Diskriminierung von Muslimen in den Staaten Europas: Knapp 40 Prozent gaben an, wegen ihrer Herkunft und Religion bei der Wohnungs- oder Jobsuche, oder aber beim Arztbesuch schon Diskriminierung erfahren zu haben. Knapp 40 Prozent, das ist ein Wert, der der FRA zufolge seit mehreren Jahren stabil ist – nichts messbar Positives hat sich also getan. Doch möglicherweise ist mit diesem Wert ja auch das Maß dessen erreicht, was im alltäglichen Miteinander überhaupt erreichbar ist, eine komplett aggressions- und diskriminierungsfreie Gesellschaft ist Utopie. Es klingt banal, ist aber nicht von der Hand zu weisen: Toleranz und friedliche Koexistenz sind gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellungen, die nur durch das Zutun aller gesellschaftlichen Gruppen bewältigt werden können. In Deutschland gelingt das der Umfrage zufolge mittelprächtig gut, in Malta sehr viel besser und in Frankreich signifikant schlechter. Mit dem Ergebnis des Rankings kann man sich aus der deutschen Mittelfeldposition heraus zufrieden geben. Oder versuchen, besser zu werden.

von Carsten Beckmann

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