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Deutschland, fürchte dich nicht!

Gaucks Weihnachtsansprache Deutschland, fürchte dich nicht!

Die Weihnachtsansprache ist auch für den Bundespräsidenten Gauck ein Fall für christliche Nächstenliebe. Dass der gelernte Pastor in wohlgesetzten Worten die Bürger zu Mitgefühl und Schutz für Flüchtlinge aufruft, ist folgerichtig, wenn die Weihnachtsengel von überall her Frieden herbeiwünschen.

Erstens hat er die weihevolle Sprache rein beruflich perfekt gelernt. Und zweitens war Joachim Gauck das ganze Jahr über unterwegs, um die Welt der Flüchtlinge einer oft schweigsamen, gelegentlich auch teilnahmslosen Mehrheitsgesellschaft nahe zu bringen.

An ihm lag es also nicht, dass nach einem Jahr voller freudiger Erfolgsbotschaften die Republik zuletzt in einen Wirbelsturm der hässlichen, unchristlichen Debatten geriet. Aber ein wenig streitbarer für das Gute und für das Anständige hätte man sich Gaucks Intervention zum Jahreswechsel 2014 schon gewünscht. Das Pegida-Spektakel ist weder christlich noch nächstenliebend, sondern angstzerfressen und spalterisch. Auf einen groben Klotz gehört gelegentlich auch ein grober Keil. Frieden ist so viel wert, dass man ihn durchaus auch kräftig verteidigen kann.

Tatsächlich ist Deutschland voll mit Zeichen der Hoffnung. Von Nord bis Süd, von Görlitz bis Bonn hat sich die Zivilgesellschaft entschlossen, christlich-abendländische Werte zu demonstrieren. Es zeigt sich eine mitreißende Woge von Nachbarschaftshilfe und Herzlichkeit gegenüber Flüchtlingen. So viel Courage hat die Politik der großen Mehrheit der Bürger ganz offensichtlich nicht zugetraut. Was für eine schöne Weihnachtsbotschaft.

Aber es gibt oft die reale Sorge, dass das so schöne deutsche Jahr 2014 mit dem WM-Titel im Fußball, mit seinen Rekordwerten an Steuereinnahmen, mit beispiellos niedriger Arbeitslosigkeit, in eine Verlustbilanz münden könnte. Das gilt es ernst zu nehmen. „Mit angstgeweiteten Augen werden wir Lösungswege nur schwer erkennen“, formuliert es der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache. „Fürchtet Euch nicht“ könnte doch eine ermutigende Überschrift für das Jahr 2015 werden.

von Dieter Wonka

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