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Der Rücktritt verdient Respekt

Schavan Der Rücktritt verdient Respekt

Das, was Angela Merkel und Annette Schavan getan haben, verdient höchsten Respekt. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Aus Respekt vor dem Amt ist Bundesforschungsministerin Annette Schavan zurückgetreten.

Sie klebte nicht an ihrem Stuhl, sondern bekannte sich zu ihrer herausgehobenen Verantwortung als Ministerin. Sie hat eingesehen, dass eine Wissenschaftsministerin, der der Doktor-Titel entzogen wurde, nicht glaubhaft Hochschulpolitik betreiben kann. Annette Schavan ist eine Politikerin, die ihre Verantwortung nicht nur wortreich beschreibt, sondern auch wirklich übernimmt. Sie ist eine Person mit Gewissen und Rückgrat.

Respekt gebührt ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Rücktritt der engen Freundin annehmen musste. Das ist Merkel erkennbar schwer gefallen. Selten hat die Kanzlerin so in ihr Inneres, in ihre Gedanken und Gefühle blicken lassen wie jetzt. Sie hat an ihrer Entscheidung gegen die angegriffene Ministerin teilhaben lassen. Und sie hat Annette Schavan eine würdevollen, einen angemessenen Abschied aus dem Kabinett beschert.

In der Politik sind bisweilen blitzschnell Entscheidungen zu treffen, die persönlich schmerzen, aber gleichwohl notwendig sind. Des „großen Ganzen“ wegen, um das Amt vor Schaden zu bewahren. Merkel hat auch rasch gehandelt, um keinen Ballast für die Union mit in den anstehenden Bundestagswahlkampf zu schleppen. Mit Johanna Wanka holt sie zudem eine profilierte Wissenschaftsexpertin ins Kabinett. Auch damit könnte der politische Flurschaden im Zuge des Falles Schavan begrenzt werden.

Dass die Ex-Ministerin Schavan nun freilich weiter um ihren Doktor-Titel kämpft, steht auf einem anderen Blatt. Das ist ihr gutes Recht. Es geht um ihre Reputation als Wissenschaftlerin und um ihre Ehre als Politikerin, als Mensch. Und auch die Universität Düsseldorf muss sich Fragen gefallen lassen. Etwa, warum an Schavans Arbeit fast 33 Jahre lang weder Fehl noch Tadel entdeckt wurden. Oder warum partout kein weiteres wissenschaftliches Gutachten zur Klärung der Plagiats-Vorwürfe herangezogen wurde. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf, das lediglich den Prozess der Aberkennung des Titels prüfen wird, kann solche Fragen nur schwerlich klären.

von Reinhard Zweigler

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