Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Der Kandidat der Unvernunft

Donald Trump Der Kandidat der Unvernunft

Das Jahr 2016 könnte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem alle verrückt geworden sind. Das gilt auch für die US-Republikaner, die für die Präsidentschaftswahl den schlechtesten Kandidaten auf den Schild gehoben haben.

Donald Trump ist politisch unerfahren, ändert seine Meinung wie ein Wetterhahn, hält generell Mexikaner für Vergewaltiger und Muslime für Terroristen. Er scheut sich nicht einmal, eine kritische Moderatorin frauenfeindlich zu beleidigen. So einer wird niemals offizieller Kandidat, glaubten viele - und irrten.

Denn die Republikaner können nicht mehr anders. Sie werden die Geister, die sie riefen, nicht mehr los. Die „Grand Old Party“ war so lange gegen alles, was in Washington in der Amtszeit von Präsident Barack Obama geschah, bis das schlecht informierte Massenpublikum geradezu schrie nach einem wie Trump: skrupellos, unreflektiert, radikal anders.

Nun schwört das Establishment der Partei dem zuvor belächelten Quereinsteiger Nibelungentreue: „Einigkeit ist alles“, behauptet Paul Ryan, Vorsitzender des Abgeordnetenhauses. Somit gibt es nur noch eine Instanz, die Trump verhindern kann: die Wähler.

Doch die weltpolitische Lage spielt Demagogen wie Trump in die Hände. Ein Terroranschlag jagt den nächsten, zugleich steigt die weltweite Zahl der Flüchtlinge. Trumps mutmaßliche demokratische Konkurrentin Hillary Clinton kämpft zudem mit einer E-Mail-Affäre aus ihrer Zeit als Außenministerin.

Es wird ein enges Rennen, und es droht eine Katastrophe: Für die „Grand Old Party“, für die USA, aber auch für Europa. Trump hält Belgien für eine Stadt und verortet Paris in Deutschland. Er ist der letzte, dem man die Führung einer wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht anvertrauen sollte. Die Hoffnung, er werde sich mäßigen, wenn er wirklich Präsident werden sollte, trügt. Trump ist ein Trampel, und er bleibt einer. Es gehört zu seiner Strategie, genau das Gegenteil dessen zu tun, was vernünftige Menschen erwarten. Er ist der Kandidat der Unvernunft.

„Wir müssen den ganzen Weg zu Ende gehen“, rief Trump den Delegierten in Cleveland zu. Man muss das als Drohung verstehen.

von Stefan Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar