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Der Bock Donald als UN-Gärtner

Vereinte Nationen Der Bock Donald als UN-Gärtner

Gibt es einen gesunden Patriotismus? Kann man Patriot sein und zugleich für internationale Solidarität eintreten? Ja, das geht - die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard beweist es.

„Weil ich Patriotin bin und weil ich als Präsidentin die Interessen meines Landes verteidige, brauchen wir ein starkes multilaterales System und starke Vereinte Nationen“, sagte sie gestern in der UN-Generalversammlung. „Kein Mensch, kein Land kann alleine die Antworten auf die heutigen Herausforderungen finden, sie sind zu groß, zu komplex, sie gehen über Grenzen hinweg und die ganze internationale Gemeinschaft an.“

Leuthards kluge Worte waren eine Antwort auf die nationalistische und kriegerische Rede von Donald Trump. Sein Patriotismus ist bösartig: Er soll anderen Ländern schaden - und wird am Ende den USA selbst schaden. „Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an die erste Stelle setzen“, verkündete Trump in New York. Die Logik: Wenn jeder sich selbst hilft, ist allen geholfen. Man kann indes in jeder Gemeinschaft erkennen, dass dieses Prinzip nicht funktioniert. Die Starken müssen den Schwachen helfen, dann geht es allen gut.

Trump will die Vereinten Nationen reformieren, aber in Wahrheit hat er nicht verstanden, was ihr Zweck ist. Den haben sie 1945 in der Präambel ihrer Charta formuliert. Sie wollen unter anderem „künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges bewahren“. Dazu wollen sie „Duldsamkeit üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander leben“. Diesen hehren Ansprüchen werden sie oft nicht gerecht. Doch Trump strebt diese Ziele nicht einmal an. Er nutzte die Vollversammlung, um Nordkorea erneut mit Krieg zu drohen und den mühsam ausgehandelten Atomkompromiss mit dem Iran infrage zu stellen. Auch wenn seine Kritik an autoritären Regimen berechtigt ist: Mit seiner Kriegsrhetorik führt er den Grundgedanken der UN ad absurdum.

Die Vereinten Nationen brauchen Reformen, aber sie können keinen Reformer Trump gebrauchen. Die anderen Staaten dürfen es nicht zulassen, dass der Bock Donald UN-Gärtner wird. Doch keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen: Trumps plumper Nationalismus, sein kurzsichtiger Blick auf die finanziellen Belastungen der USA sowie seine Ignoranz weltweiter Probleme wie Klimawandel und Fluchtkrisen könnten bestenfalls andere Staaten zu mehr Kooperation motivieren. „Wir brauchen mehr Vereinte Nationen und stärkere Vereinte Nationen - und die Tatsache, dass ich das heute wiederholen muss, sollte die Alarmglocken schlagen lassen“, sagte Leuthard. Mehr Leuthard und weniger Trump - das wäre die Reform, die die Vereinten Nationen brauchen.

von Stefan Dietrich

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