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Das Gebrüll der Versager

Terrorismus Das Gebrüll der Versager

US-Präsident Barack Obama setzt in seinen letzten Amtsmonaten noch einmal die Hasskappe auf. Den IS zerstören - nichts weniger als das ist die Mission, die er aus dem jüngsten Anschlag in San Bernardino ableitet.

Frankreichs Staatschef Hollande hatte die Tränen über die Opfer von Paris noch nicht getrocknet, da befahl er schon die Gegenoffensive auf mutmaßliche IS-Stellungen in Syrien. Das ist mehr als drei Wochen her, von nachhaltigen Erfolgen ist seither nichts zu hören. Russlands starker Mann Wladimir Putin reagierte ebenfalls auf den vermuteten Anschlag gegen ein Flugzeug voller Landsleute mit Kampfjets und Bomben.

Die britische Regierung, so scheint es, hat nur auf eine Gelegenheit gewartet, auch mal wieder in einen Krieg zu ziehen. Auch hier hat man ja Terroropfer im eigenen Land wie in IS-Gefangenschaft als hinreichenden Rachegrund vorzuweisen. Selbst der türkische Präsident Erdogan kann angesichts mehrerer Terrorangriffe durch den IS nicht tatenlos bleiben, wobei wie bei Putin auch ganz andere Gegner gleich mit ins Visier geraten.

Kein Lerneffekt erkennbar

Da mag das durch „Zufälle“ und „Wunder“ immer wieder von Terroranschlägen verschont gebliebene Deutschland (oder dessen Regierung)natürlich nicht abseits stehen.

Diese heterogene Allianz der Getroffenen zieht also nun mit martialischen Tönen in einen Krieg, von dem sie nicht weiß, wie sie ihn gewinnen soll. Jeder dieser Staatenlenker ist bereit, die gleichen Fehler zu wiederholen wie seine Vorgänger: die UDSSR in den 80er Jahren in Afghanistan oder die Herren Bush, Blair, Chirac oder Schröder nach dem 11. September, die mit einem auf Lügen basierenden Krieg und dem unzureichenden Neuaufbau letztlich dem vorgeblich islamischen Staat erst Geburts­hilfe leisteten.

Ihre Nachfolger stehen vor dem gleichen Dilemma. Sie haben das größer werdende Problem im Irak, in Syrien und Afghanistan über Jahre erst geschürt, dann ignoriert und auch nicht eingegriffen, als die Terrormiliz noch vergleichsweise leicht in den Griff zu bekommen gewesen wäre. Das geschieht erst jetzt, wo die Folge dieser Nicht-Politik als Flüchtlingsansturm in Mitteleuropa sichtbar und unbequem wird.

Damit das gemeinsame Versagen nicht zu offensichtlich und die Fragen nach dem mittelfristigen Ziel des Einsatzes nicht zu bohrend werden, bedienen sich Obama und Co. eines alten Rhetorik-Tricks. Sie übertönen die Kritik mit umso lauterem Gebrüll. Leider entscheidet die Lautstärke nicht über die Qualität der Argumente. Auch das weiß ein altes Sprichwort: „Wer schreit, hat Unrecht.“

von Michael Agricola

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