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Das Ende der Gauland-Blase

AfD Das Ende der Gauland-Blase

Alexander Gauland wurde immer schon überschätzt, jahrzehntelang. Gewiss, der Mann hat Manieren, er hat studiert, sogar promoviert, kennt sich aus mit Geschichte.

CDU-Politiker in Hessen, an deren Seite Gauland in der Ära Kohl aktiv wurde, verbeugten sich seinerzeit vor Gaulands „außergewöhnlicher Bildung“. Seine Bücher („Anleitung zum Konser­vativsein“) halfen ihm, einen Mythos zu schaffen: Gauland, der Vordenker. Gauland, der Intellektuelle von rechts.

Pustekuchen. Spätestens jetzt entweicht die Luft aus dieser Blase. In Wahrheit ist der Mann im karierten Sakko, allen bürgerlichen Posen zum Trotz, ein verkniffener Rassist. Wer so wie er anknüpft an die Hautfarbe und behauptet, „die Leute“ wollten „einen Boateng nicht als Nachbarn“ haben, kann keine andere Einordnung beanspruchen. Hinzu kommt, und da wird es doppelt peinlich für den angeblichen Vordenker, dass nicht einmal seine politische Analyse stimmt. „Einen Boateng“ nämlich hätten viele gern als Nachbarn, weil er als deutscher Fußball-Nationalspieler erfolgreich ist, ein Vorbild für viele, noch dazu sehr wohlhabend und sogar bescheiden.

Die Trennlinie, das will dem 75-jährigen Gauland nicht in den Kopf, verläuft heute nicht mehr entlang von Hautfarben und Ethnien. Wer etwas kann, etwas leistet und sich an die Regeln hält, ist hier willkommen - egal, ob die Eltern nun aus Afrika stammen, aus Asien oder sonst woher. Das neue Deutschland tickt in dieser Frage inzwischen ähnlich wie die USA - mit deren Offenheit sich Gauland allerdings auch nie abzufinden vermochte. Der alte Mann liebt die Monokultur.

Bei AfD-Veranstaltungen ist Gauland oft automatisch der Klügste im Saal. Das gefällt ihm. Und es stimmt ja sogar. Dabei liegt der traurige Grund in der bloßen Relativität aller Dinge.

von Matthias Koch

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