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Chaos ohne Ende in Belgien

Terror Chaos ohne Ende in Belgien

Was nach den Brüsseler Attentaten ans Licht kommt, wirkt aus deutscher Sicht wie ein Déjà-vu. Ein föderales Kompetenzwirrwarr von Sicherheitsbehörden und Ermittlern, die brisante Informationen einfach zu ignorieren scheinen - dieser schockierende Eindruck bot sich in Deutschland nach dem Auffliegen der Terrorbande NSU.

In Belgien scheint es ähnlich zu sein. Die Brüsseler Anschläge sind nicht nur ein perfider Angriff auf die demokratische Gesellschaft - sie sind auch ein Beleg für das Versagen der belgischen Behörden.

Vor den Anschlägen sind zu viele gefährliche Pannen passiert. Die Türkei wies einen der späteren Attentäter wegen Terrorverdachts in die Niederlande aus - der zuständige belgische Polizist reagierte nicht. Die griechische Polizei entdeckte Hinweise auf einen geplanten Anschlag am Brüsseler Flughafen, auch die Spur nach den Pariser Anschlägen führte nach Brüssel. Dennoch soll der Terrorverdächtige Salah Abdeslam in Brüssel frei herumgelaufen sein, angeblich sogar vor einer Polizeistation. Hinzu kommt, dass bei Terrorrazzien Verdächtige entwischen konnten - vermutlich auch die späteren Attentäter.

Nach dem Anschlag brach das Kommunikationssystem der Polizei zusammen. Und einige Tage später verhinderte die Polizei nicht, dass hunderte Randalierer das Gedenken in Brüssel störten. Dass die belgischen Behörden nicht einmal die Terroropfer zählen können, verwundert kaum noch. Es herrscht Chaos ohne Ende. Schwer verständlich, dass Premier Charles Michel das Rücktrittsangebot von Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens nicht angenommen hat.

In Deutschland war, als der NSU-Terror ans Licht kam, von Staatsversagen die Rede. Genau das ist in Belgien der Fall. Belgien muss - wie Deutschland auch - die Arbeit seiner Sicherheitsbehörden reformieren. Es gibt keine absolute Sicherheit vor Terror, das ist klar. Aber Belgien steht in der Verantwortung, in der Europastadt Brüssel ein hohes Maß an Sicherheit zu garantieren.

von Stefan Dietrich

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