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CSU auf der Suche nach alter Stärke

Union CSU auf der Suche nach alter Stärke

In knalligeren Zeiten des Kreuther CSU-Gehabes hatte Parteichef Franz-Josef Strauß behauptet, einer wie Helmut Kohl und dessen CDU sei "unfähig, total unfähig". So ganz recht behalten hat "FJS" weder bei der Person noch in der Sache.

Inzwischen ist der Kreuther Geist Geschichte. Unter dem Nachfolger Horst Seehofer tagt die Bundestags-CSU im Kloster Seeon und ist auf der Suche nach der eigenen Feuerkraft.

Schon ein einfaches Sicherheitspapier des Bundesinnenministers hat genügt, um der CSU zum Jahresauftakt die Schlagzeilen zu stehlen. Die Dinge haben sich verschoben. Es geht um Überlebensfragen. Damit umzugehen muss die bayerische Staatspartei erst noch lernen.

In einem Monat werden CDU und CSU bei einem Familientreffen in München gar nicht anders können, als sich schwesterlich zu umarmen, politische Gemeinsamkeiten aller Art zu beschwören. Und Angela Merkel wird als einzig denkbare gemeinsame Kanzlerkandidatin ausgerufen werden. Keineswegs ist aber entschieden, ob Angela Merkel für die CSU auch die beste denkbare Kanzlerkandidatin ist.

Seehofer selbst hält sich für den GröPaZ - den größten (Unions-)Politiker aller Zeiten. Vielleicht sogar größer als Merkel, wenn es ihm gelänge, in Bayern die CSU allein an der Macht zu halten - trotz AfD. Dann wäre Seehofer auf einer Stufe mit Franz Josef Strauß angekommen. Und selbst der widerborstige bayerische Finanzminister Markus Söder müsste das ja wohl anerkennen. Auch darum geht es dem CSU-Chef. Das macht ihn groß und klein zugleich. Es braucht Politiker, die den Populisten Paroli bieten, und das in verständlicher Sprache. Aber persönliche Animositäten dürfen nicht zum Problem eines Parteivorsitzenden werden.

Bis zum Erbrechen demonstriert Seehofer, dass die Christsozialen etwas Besonderes seien. Das zu akzeptieren und der CSU immer aufs Neue Sonderrechte und Gutscheine für politische Fuß­tritte zuzugestehen, fällt dem Rest der Republik schwer. Und der Preußin Merkel mit ihrem unemotionalen Verhältnis zur Union und zum Amt ganz besonders. Dennoch wird sie in vier Wochen eher auf die CSU zugehen als umgekehrt. Denn die Kanzlerin muss erklären, dass weder ihre Sprache noch ihr Handeln dem einfachen Slogan „Wir schaffen das“ folgen.

Unmittelbar vor Beginn der Winterklausur von Kloster Seeon machte Seehofer eine wichtige Feststellung: „Es geht im Moment um die Existenz vieler politischer Lebenswerke.“ Das verbindet Angela und Horst, CDU und CSU. Und das ist von nationalem Interesse, weil andere politische Wettbewerber zu kleinmütig wirken, um die Machtfrage zu stellen.

von Dieter Wonka

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