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Blutige Wahrheit auf dem Teller

Tierschutz Blutige Wahrheit auf dem Teller

Auch nach dem vielbeachteten Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Tötung männlicher Küken ist das Thema "Ethik und Schlachttier" noch lange nicht vom Tisch.

Der Weg zu einer moralisch wie wirtschaftlich akzeptablen Lösung ist weit, sie wird auch sicher nicht in einem Gerichtssaal zu finden sein.

Doch wem ist beim Kükenschreddern in Brütereien ein Vorwurf zu machen? Dem Hähnchenmäster, der nur über hohe „Stückzahlen“ und die „optimierte“ Zucht auf seine Kosten kommt? Händlern, die im Eigeninteresse und durchaus auch im Sinne der Kunden möglichst billig anbieten wollen? Gerichten, die eine ethische Frage mit den Buchstaben des Gesetzes beantworten sollen und daran nur scheitern können? Verbraucher, die in der Mehrheit den Zusammenhang von Lebewesen und dem frischen Fleisch in der Auslage schon lange aus den Augen verloren haben und sich ganz wohl damit fühlen, dass das Kotelett oder die Hähnchenbrust keinen Namen und keine niedlichen Kulleraugen hat?

Dass das Schreddern oder Vergasen von kleinen Küken nicht fortgesetzt werden darf, darin sollte sich eine zivilisierte Gesellschaft einig sein. Es ändert sich aber nichts, solange wir alle in den entscheidenden Fragen nicht eindeutig Stellung beziehen: Wollen wir uns der blutigen Wahrheit bewusst sein, dass vor dem Schnitzel oder den Chicken Wings das Leid unzähliger Tiere steht? Dass selbst bei einem liebevoll gehaltenen Rind oder Schwein erst dessen Tod zum kulinarischen Genuss führt? Wer konsequent ist, verzichtet dann auf Fleisch, auch wenn das allein die Fließbänder der Massenfleisch-Fabriken nicht zum Stoppen bringen wird. Ein richtiger Schritt wäre aber auch schon der bewusstere Umgang mit dem Verhältnis zwischen Preis und der Frage, welche Qualität und welche Tierhaltung oder -mast man dafür erwarten kann. Logisch wäre dann eine Reduzierung des eigenen Fleischkonsums zugunsten tiergerechterer, aber teurerer Produktions­weisen. Einen anderen Weg wird es nicht geben, wenn man nicht alle paar Wochen wieder von Ekelfleisch, Tierquälerei, der Geringschätzung von Leben, das zum menschlichen Verzehr dient, oder von gesundheitlichen Risiken durch Billigfleisch hören, sehen oder lesen will.

von Michael Agricola

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