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Bislang nur ein paar Afrikaner

Ebola Bislang nur ein paar Afrikaner

In einem Interview mit heute.de hat Professor Hans-Dieter Klenk, ehemaliger Leiter des Marburger Instituts für Virologie, am Donnerstag gesagt: "Auf experimenteller Basis wurde ein Impfstoff gegen Ebola schon vor zehn Jahren entwickelt, und im Tierversuch war er auch gut wirksam."

Nur - dann ging es nicht weiter. Was hätte folgen müssen? Klinische Studien an gesunden Probanden, um Nebenwirkungen auszuschließen. Das ist teuer und dauert lange. Jetzt laufen die ersten an. Anfang 2015 könnten die ersten experimentellen Impfstoffe, auch aus Marburg ist einer dabei, eingesetzt werden. Warum so lange gewartet wurde? Auch da sind sich die Experten einig: Die Ebola-Ausbrüche waren heftig, aber immer kurz und regional beschränkt. Möchte man es klar und etwas politisch unkorrekt ausdrücken, heißt das übersetzt: Bislang sind immer nur ein paar Afrikaner daran gestorben. Vielleicht hin und wieder ein Helfer. Die Geschwindigkeit und Ausbreitung der grenzübergreifenden Epidemie schreckt diesmal auf: Die Medien, die Staatenlenker, die WHO. Für hunderte Millionen werden Lazarette und mobile Labore aufgebaut, Forscher, Ärzte und Soldaten geschickt. Jetzt hat die westliche Welt nämlich Angst und zwar davor, dass Ebola auch zu uns kommt. Seit dieser Woche ist das in den USA zur Realität geworden. Hunderte Millionen? Das hätten auch klinische Studien gekostet, die einen Ebola-Impfstoff getestet hätten. Hätte man sie damals ausgegeben, wären vielleicht 3000 afrikanische Menschen weniger gestorben. Man hätte sich Helfer, Ärzte und Soldaten sparen können. Auch die Pharmafirmen sitzen mit im Boot. Sie finanzieren lieber die Entwicklung von Diätpillen, die in westlichen Ländern dafür sorgen, dass das, was in den Supermarktregalen und in den Kühlschränken an Überfluss herrscht, einmal gegessen, hinterher wieder abgebaut wird. Wie krank. Kein Wunder, dass immer wieder afrikanische Flüchtlinge in Boote steigen, um in den gelobten Westen auszureisen. Nur schade, dass im Mittelmeer für viele Schluss ist. Die Rohstoffe des Kontinents kommen zuverlässiger an.

von Tim Gabel

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